Kompakte Gruppe
Kompakte Gruppen sind in der Mathematik topologische Gruppen, deren Topologie kompakt ist. Kompakte Gruppen verallgemeinern endliche Gruppen mit der diskreten Topologie und viele Eigenschaften lassen sich übertragen. Für kompakte Gruppen gibt es eine gut verstandene Darstellungstheorie.
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Im Folgenden setzen wir voraus, dass alle topologischen Gruppen Hausdorffräume sind.
Kompakte Lie-Gruppen
Die Lie-Gruppen bilden eine Klasse topologischer Gruppen und für kompakte Lie-Gruppen existiert eine besonders gut entwickelte Theorie. Grundlegende Beispiele kompakter Lie-Gruppen sind:
- die Kreisgruppe
und die Torusgruppen
- die orthogonalen
Gruppen
und die speziellen orthogonalen Gruppen
sowie deren Überlagerungen und die Spin-Gruppen
- die unitären
Gruppen
und die speziellen unitären Gruppen
- die symplektischen
Gruppen
- die kompakten Formen der exzeptionellen
Lie-Gruppen
,
,
,
und
.
Das Klassifikationstheorem für kompakte Lie-Gruppen besagt, dass diese Liste bis auf endliche Erweiterungen und Überlagerungsgruppen vollständig ist (und bereits Redundanzen enthält). Diese Klassifikation wird im nachfolgenden Absatz näher beschrieben.
Klassifikation
Für eine gegebene kompakte Lie-Gruppe
sei
die Zusammenhangskomponente
der Eins, diese ist ein zusammenhängender
Normalteiler. Die Quotientengruppe
ist die Gruppe
der Komponenten,
die wegen der Kompaktheit von
endlich sein muss. Wir haben damit eine endliche Erweiterung:
Für zusammenhängende, kompakte Lie-Gruppen haben wir folgendes Resultat:
- Satz: Jede zusammenhängende, kompakte Lie-Gruppe ist (bis auf Isomorphie) der Quotient des Produktes einer zusammenhängenden, einfach zusammenhängenden, kompakten Lie-Gruppe und einer Torusgruppe nach einer endlichen zentralen Untergruppe.
Damit kann die Klassifikation der zusammenhängenden Lie-Gruppen im Prinzip auf die Kenntnis der kompakten, zusammenhängenden, einfach zusammenhängenden Lie-Gruppen und ihrer Zentren zurückgeführt werden. (Für weitere Informationen über das Zentrum siehe den unten stehenden Abschnitt „Fundamentalgruppe und Zentrum“.)
Jede einfach zusammenhängende, kompakte Lie-Gruppe ist das Produkt einfach zusammenhängender, kompakter und einfacher Gruppen, von denen jede zu genau einer aus der folgenden Aufzählung isomorph ist:
- die kompakte, symplektische Gruppe
- die spezielle, unitäre Gruppe
- die Spin-Gruppe
- eine der exzeptionellen Gruppen
,
,
,
oder
.
Die Bedingungen an
wurden gestellt, um Isomorphismen zwischen den Gruppen der Liste auszuschließen.
Für jede dieser Gruppen ist das Zentrum bekannt. Die Klassifikation erfolgt über
zugeordnete Wurzelsysteme
(für einen festen maximalen Torus, siehe unten), die ihrerseits mittels Dynkin-Diagrammen
klassifiziert werden können.
Die Klassifikation der einfach zusammenhängenden, kompakten Lie-Gruppen ist
dasselbe wie die Klassifikation der komplexen, halbeinfachen
Lie-Algebren. Ist nämlich
eine einfach zusammenhängende, kompakte Lie-Gruppe, so ist die
Komplexifizierung der
zugehörigen Lie-Algebra halbeinfach. Umgekehrt hat jede komplexe halbeinfache
Lie-Algebra eine reelle Form, die isomorph zu einer einfach zusammenhängenden,
kompakten Lie-Gruppe ist.
Maximale Tori und Wurzelsysteme
Die Hauptidee in der Untersuchung einer zusammenhängenden, kompakten
Lie-Gruppe
ist das Konzept des maximalen
Torus, eine Untergruppe
,
die isomorph zu einem Produkt mehrerer Kopien von
ist, und in keiner weiteren Untergruppe dieser Art enthalten ist. Ein typisches
Beispiel ist die Untergruppe
der Diagonalmatrizen
in
.
Der sogenannte Satz
vom maximalen Torus ist ein grundlegendes Resultat, nach dem jedes Element
aus
in einem maximalen Torus liegt und je zwei maximale Tori zueinander konjugiert
sind.
Ein maximaler Torus in einer zusammenhängenden, kompakten Lie-Gruppe spielt
eine ähnliche Rolle wie die Cartan-Unteralgebra
einer komplexen, halbeinfachen Lie-Algebra. Insbesondere kann man nach Wahl
eines maximalen Torus
ganz ähnlich wie in der Theorie der halbeinfachen Lie-Algebren ein Wurzelsystem und eine
Weyl-Gruppe definieren.
Diese Strukturen spielen dann eine wesentliche Rolle in der Klassifikation der
zusammenhängenden, kompakten Lie-Gruppen (wie oben beschrieben) und in ihrer
Darstellungstheorie (siehe unten).
In der Klassifikation der einfach zusammenhängenden, kompakten Lie-Gruppen treten folgende Wurzelsysteme auf:
- Die spezielle unitäre Gruppe
gehört zum Wurzelsystem
.
- Die ungerade Spin-Gruppe
gehört zum Wurzelsystem
.
- Die kompakte, symplektische Gruppe
gehört zum Wurzelsystem
.
- Die gerade Spin-Gruppe
gehört zum Wurzelsystem
.
- Die exzeptionellen, kompakten Lie-Gruppen gehören zu den fünf
exzeptionellen Wurzelsystemen
,
,
,
oder
.
Fundamentalgruppe und Zentrum
Es ist wichtig, von einer zusammenhängenden, kompakten Lie-Gruppe zu wissen,
ob sie einfach zusammenhängend ist, und falls nicht, ihre Fundamentalgruppe zu
bestimmen. Für kompakte Lie-Gruppen gibt es dazu zwei grundlegende Ansätze. Der
erste betrifft die klassischen, kompakten Gruppen ,
,
und
und verwendet Induktion
nach
.
Der zweite Ansatz greift auf die Wurzelsysteme zurück und funktioniert für alle
zusammenhängenden, kompakten Lie-Gruppen.
In obiger Klassifikation ist es weiterhin wichtig, das Zentrum der
zusammenhängenden, kompakten Lie-Gruppe zu kennen. Die Zentren der klassischen
Gruppen können leicht „per Hand“ berechnet werden, in den meisten Fällen handelt
es sich einfach um geeignete Vielfache der Identität. Die Gruppe
bildet hier eine Ausnahme, da sie als abelsche Gruppe mit ihrem Zentrum
übereinstimmt, das daher Elemente enthält, die nicht Vielfaches der Identität
sind. Zum Beispiel besteht das Zentrum von
aus den
-ten
Einheitswurzeln mal der
Identität, das ist eine zyklische
Gruppe der Ordnung
.
Im Allgemeinen kann das Zentrum mittels des Wurzelsystems und dem Kern der Exponentialabbildung
des maximalen Torus beschrieben werden.
Diese allgemeine Methode zeigt beispielsweise, dass die einfach
zusammenhängende, kompakte Gruppe zum exzeptionellen Wurzelsystem
triviales Zentrum hat.
Damit ist die kompakte
-Gruppe
eines der wenigen Beispiele kompakter Lie-Gruppen, die gleichzeitig einfach
zusammenhängend sind und triviales Zentrum haben, die anderen sind
und
.
Weitere Beispiele
Zu den kompakten Gruppen, die keine Lie-Gruppen sind und daher nicht die
Struktur einer Mannigfaltigkeit
haben, zählen das Solenoid
und die additive Gruppe
der p-adischen
ganzen Zahlen und daraus konstruierte Gruppen. In der Tat ist jede proendliche Gruppe
kompakt. Dies bedeutet, dass Galois-Gruppen
kompakt sind, ein grundlegendes Resultat der Theorie algebraischer
Erweiterungen endlichen
Grades.
Pontrjagin-Dualität liefert ein reiches Arsenal an kommutativen, kompakten Gruppen. Diese sind die Dualgruppen diskreter Gruppen.
Das haarsche Maß
Kompakte Gruppen tragen ein haarsches
Maß,
das sowohl bzgl. Links- als auch Rechts-Tranlsationen
invariant ist, denn die modulare
Funktion bildet die Gruppe auf eine kompakte Untergruppe von
ab, muss also konstant gleich 1 sein. Mit anderen Worten, kompakte Gruppen sind
unimodular.
Daher kann das haarsche Maß leicht auf ein Wahrscheinlichkeitsmaß
normiert werden, wie etwa
auf der Kreisgruppe.
Ein solches haarsches Maß kann in vielen Fällen leicht berechnet werden. Das haarsche Maß auf den orthogonalen Gruppen war schon Adolf Hurwitz bekannt, und im Falle von Lie-Gruppen kann es als invariante Differentialform beschrieben werden. In proendlichen Gruppen gibt es viele Untergruppen mit endlichem Index, sodass das haarsche Maß einer Nebenklasse gleich dem reziproken Wert des Index ist. Daher können Integrale bzgl. des haarschen Maßen oft direkt berechnet werden, was in der Zahlentheorie oft Anwendung findet.
Ist
eine kompakte Gruppe mit dem haarschen Maß
,
so liefert der Satz
von Peter-Weyl eine Zerlegung des
als orthogonale
Summe endlichdimensionaler Unterräume, auf denen die Gruppe als irreduzible
Matrixdarstellung operiert.
Darstellungstheorie
Die Darstellungstheorie einer kompakten Gruppe (nicht notwendigerweise eine Lie-Gruppe und auch nicht notwendigerweise zusammenhängend) wurde durch den Satz von Peter-Weyl begründet. Hermann Weyl baute dies auf Basis der maximalen Tori zu einer detaillierten Charakter-Theorie aus. Die daraus entstandene weylsche Charakterformel war ein einflussreiches Resultat für die Mathematik des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Kombination des Satzes von Peter-Weyl und der weylschen Charakterformel führte Weyl zu einer vollständigen Klassifikation der Darstellungen zusammenhängender Lie-Gruppen, die im nachfolgenden Abschnitt beschrieben wird.
Aus Weyls Arbeit und dem Satz
von Cartan über Lie-Gruppen erhält man einen Überblick über die
Darstellungstheorie kompakter Gruppen .
Nach dem Satz von Peter-Weyl liegen die Bilder der irreduziblen, unitären
Darstellungen
von
in den unitären Gruppen (endlicher Dimension) und sind wegen Kompaktheit
abgeschlossene Untergruppen der unitären Gruppe. Nach dem Satz von Cartan muss
das Bild
eine Lie-Untergruppe der unitären Gruppe sein. Wenn
selbst keine Lie-Gruppe ist, muss
einen nicht-trivialen Kern haben. Auf diese Weise kann man ein inverses System
von endlichdimensionalen unitären Darstellungen mit immer kleiner werdendem Kern
konstruieren, sodass
schließlich mit einem inversen
Limes kompakter Lie-Gruppen identifiziert wird. Dass man so im Limes eine treue
Darstellung von
erhält, ist eine weitere Folgerung aus dem Satz von Peter-Weyl.
Der unbekannte Teil der Darstellungstheorie kompakter Gruppen wird so, grob gesprochen, auf die komplexe Darstellungstheorie endlicher Gruppen zurückgeführt. Diese Theorie ist zwar sehr umfangreich, aber qualitativ gut verstanden.
Darstellungstheorie einer zusammenhängenden, kompakten Lie-Gruppe
Einige einfäche Fälle der Darstellungstheorie kompakter Lie-Gruppen können
per Hand berechnet werden, so etwa die Darstellungen der Rotationsgruppe
oder der speziellen unitären Gruppen
und
.
Siehe auch die dazu parallele Darstellungstheorie
der Lie-Algebren.
In diesem Paragraphen betrachten wir eine feste, zusammenhängende, kompakte
Lie-Gruppe
und einen darin fest gewählten maximalen Torus.
Darstellungstheorie von T
Da
kommutativ ist, wissen wir nach dem Lemma
von Schur, dass eine irreduzible Darstellung
von
eindimensional sein muss:
.
Da
zusätzlich kompakt ist, muss
sogar nach
abbilden.
Zur konkreten Beschreibung dieser Darstellungen sei
die Lie-Algebra von
und wir schreiben Punkte
als
Bezüglich solcher Koordinaten nimmt
die Form
für ein lineares
Funktional
auf
.
Da die Exponentialabbildung
nicht injektiv ist, definiert nicht jedes lineare Funktional auf diese Weise
eine Abbildung
.
Sei nämlich
der Kern der Exponentialabbildung
,
wobei
das neutrale Element von
sei (wir haben hier die Exponentialabbildung mit dem Faktor
skaliert, um ihn an anderen Stellen zu vermeiden). Dann muss
,
um vermöge obiger Formel eine wohldefinierte
Abbildung
zu ergeben, die Bedingung
erfüllen, wobei
die Menge der ganzen Zahlen sei.
Ein lineares Funktional, das diese Bedingung erfüllt, heißt ein analytisch
ganzzahliges Element. Diese Ganzzahligkeitsbedingung korrespondiert, wenn
auch nicht in allen Details, zu analogen Ganzzahligkeitsbedingungen aus der
Theorie der halbeinfachen Lie-Algebren.
Schauen wir uns den einfachsten Fall ,
die Menge der komplexen Zahlen
vom Betrag 1, an. Die zugehörige Lie-Algebra ist die Menge der rein-imaginären
Zahlen
und der Kern der (skalierten) Exponentialabbildung besteht aus den Zahlen
.
Ein lineares Funktional
nimmt auf all diesen Zahlen genau dann ganzzahlige Werte an, wenn es von der
Form
ist für eine ganze Zahl
.
Die zugehörigen irreduziblen Darstellungen sind in diesem Fall
Darstellungstheorie von K
Sei nun
eine endlichdimensionale, irreduzible Darstellung von
(über
).
Dann betrachten wir die Einschränkung von
auf
.
Diese ist zwar nicht irreduzibel (außer wenn
eindimensional ist), zerfällt aber in eine direkte Summe irreduzibler
Darstellungen von
.
(Beachte, dass irreduzible Darstellungen mehrfach, man sagt mit Multiplizität,
vorkommen können). Nun wird jede irreduzible Darstellung von
nach Obigem durch ein lineares Funktional
beschrieben. Jedes solche
,
das wenigstens einmal in der Zerlegung der Einschränkung von
auf
vorkommt, heißt ein Gewicht von
.
Die in der Darstellungstheorie von
verfolgte Strategie ist nun die Klassifikation der irreduziblen Darstellungen
mittels ihrer Gewichte.
Wir beschreiben nun kurz die zur Formulierung des Satzes benötigten
Strukturen. Wir benötigen den Begriff des Wurzelsystems von
(relativ zum gewählten Torus
).
Die Konstruktion dieses Wurzelsystems
verläuft ähnlich wie die Konstruktion in der Theorie der komplexen,
halbeinfachen Lie-Algebren. Genauer sind die Gewichte von
die von 0 verschiedenen Gewichte der adjungierten Gruppenaktion von
auf der komplexifizierten Lie-Algebra von
.
Das Wurzelsystem
hat die üblichen Eigenschaften eines Wurzelsystems mit der Ausnahme, dass die
Elemente von
nicht ganz
aufspannen.
Wir wählen dann eine Basis
von
und sagen, dass ein ganzzahliges Element
dominant ist, wenn
für alle
.
Schließlich sagen wir, dass ein Gewicht höher als ein anderes ist, wenn die
Differenz als Linearkombination
von Elementen aus
mit nicht-negativen Koeffizienten ausgedrückt werden kann.
Die irreduziblen, endlichdimensionalen Darstellungen von
werden dann in Analogie zur Theorie der Darstellungen halbeinfacher Lie-Algebren
durch den Satz vom höchsten Gewicht klassifiziert.
Dieser besagt:
- (1) Jede irreduzible Darstellung hat ein höchstes Gewicht.
- (2) Das höchste Gewicht ist stets ein dominantes, analytisch ganzzahliges Element.
- (3) Zwei irreduzible Darstellungen mit demselben höchsten Gewicht sind isomorph.
- (4) Jedes dominante, analytisch ganzzahlige Element tritt als das höchste Gewicht einer irreduziblen Darstellung auf.
Dieser Satz vom höchsten Gewicht für Darstellungen von
ist fast derselbe wir für halbeinfache Lie-Algebren, allerdings mit einer
wichtigen Ausnahme: Die Konzepte des ganzzahligen Elements sind verschieden. Die
Gewichte
einer Darstellung
sind analytisch ganzzahlig im oben beschriebenen Sinne. Jedes analytisch
ganzzahlige Element ist auch ganzzahlig im Lie-Algebra-Sinne, aber nicht
umgekehrt.
Dieses Phänomen spiegelt die Tatsache wider, dass nicht jede Darstellung der
zugehörigen Lie-Algebra
von einer Gruppendarstellung von
herrührt. Ist aber andererseits
einfach zusammenhängend, so ist die Menge der mögliche höchsten Gewichte im
Gruppensinn dieselbe wie die Menge der möglichen höchsten Gewichte im Sinne der
Lie-Algebren.
Die weylsche Charakterformel
Ist
eine Darstellung von
,
so ist der Charakter
die durch
definierte Funktion, wobei
die Spurabbildung
ist. Es ist leicht zu sehen, dass der Charakter eine Klassenfunktion
ist, das heißt, es gilt
für alle
.
Daher ist
bereits durch seine Einschränkung auf
bestimmt.
Die Untersuchung der Charaktere ist ein wichtiger Bestandteil der
Darstellungstheorie kompakter Gruppen. Ein entscheidendes Resultat, das ein
Korollar zum Satz von Peter-Weyl ist, besagt, dass die Charaktere eine Orthonormalbasis der
quadratintegrablen
Klassenfunktionen auf
bilden. Ein zweites Schlüsselergebnis ist die weylsche Charakterformel, die eine
explizite Formel für die Charaktere, genauer für die Einschränkungen der
Charaktere auf
,
mittels des höchsten Gewichtes der Darstellung liefert.
In der eng damit zusammenhängenden Darstellungstheorie halbeinfacher
Lie-Algebren ist die weylsche Charakterformel ein zusätzliches Resultat, das
nach dem Klassifikationstheorem bewiesen wird. In Weyls Analyse der kompakten
Gruppen hingegen ist die Charakterformel ein wesentlicher Teil der
Klassifikation selbst. Insbesondere wird der schwierigste Teil des Beweises,
nämlich, dass jedes dominante, analytisch ganzzahlige Gewicht von einer
Darstellung herkommt, ganz anders bewiesen als die übliche
Lie-Algebren-Konstruktion mittels Verma-Moduln.
Weyls Ansatz baut auf dem Satz von Peter-Weyl und einem analytischen Beweis der
Charakterformel auf.
Schließlich werden die irreduziblen Darstellungen von
im Raum der stetigen Funktionen auf
realisiert.
Der Fall der SU(2)
Zur Verdeutlichung des bisher Gesagten betrachten wir den Fall der unitären
Gruppe .
Die Darstellungen werden üblicherweise vom Standpunkt der Lie-Algebra
betrachtet, aber hier nehmen wir die Gruppensichtweise ein. Als maximalen Torus
wählen wir die Menge der Matrizen
.
Wie oben im Abschnitt Darstellungstheorie
von T diskutiert, werden auch hier die analytisch ganzzahligen Elemente
durch ganze Zahlen repräsentiert, sodass die dominanten, analytisch ganzzahligen
Elemente die nicht-negativen ganzen Zahlen
sind. Die allgemeine Theorie liefert uns also für jedes
eine irreduzible Darstellung von
mit höchstem Gewicht
.
Der Charakter, der Informationen zur Darstellung kodiert, ist nach der weylschen Charakterformel durch
gegeben. Dies können wir auch wie folgt auch als Summe von Exponentialfunktionen schreiben:
(Wenn man die Formel für die endliche geometrische Reihe auf diesen Ausdruck anwendet, kann man daraus wieder die zuerst genannte Formel gewinnen.) Von diesem letzten Ausdruck und der weylschen Charakterformel kann man ablesen, dass die Gewichte dieser Darstellung
sind, jedes mit Multiplizität 1. Die Gewichte sind die ganzen Zahlen, die in
den Exponenten obiger Summe auftreten, ihre Multiplizitäten sind die
Koeffizienten der zugehörigen Exponentialterme. Da wir also insgesamt
Gewichte mit Multiplizität 1 haben, ist die Dimension der Darstellung gleich
.
Dies zeigt, wie man Informationen über die Darstellungen gewinnen kann, die man
üblicherweise aus Berechnungen in Lie-Algebren erhält.
Dualität
Das Thema, wie man eine Gruppe aus ihrer Darstellungstheorie zurückgewinnen kann, wird in der sogenannten Tannaka-Krein-Dualität behandelt.
Von kompakten zu nicht-kompakten Gruppen
Der Einfluss der Theorie der kompakten Gruppen auf nicht-kompakte Gruppen wurde von Weyl in seinem sogenannten unitären Trick ausformuliert. Innerhalb einer halbeinfachen Lie-Gruppe sitzt eine maximale, kompakte Untergruppe, und die Darstellungstheorie der halbeinfachen Lie-Gruppen, wie sie in weiten Teilen von Harish-Chandra entwickelt wurde, macht intensiv Gebrauch von der Einschränkung einer Darstellung auf eine solche Untergruppe, wo dann die Charakter-Theorie von Weyl angewendet werden kann.
Siehe auch>
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 09.11. 2022