Gruppen-C*-Algebra
Gruppen-C*-Algebren werden in den mathematischen Teilgebieten der harmonischen Analyse und Funktionalanalysis untersucht. Einer lokalkompakten Gruppe wird in natürlicher Weise eine C*-Algebra zugeordnet, so dass diese die Darstellungstheorie der Gruppe enthält.
Unitäre Darstellungen lokalkompakter Gruppen
Definition
Für einen Hilbertraum
bezeichne
die C*-Algebra der beschränkten
linearen
Operatoren auf
und
die multiplikative Gruppe der unitären
Operatoren.
Es sei
eine lokalkompakte
Gruppe. Eine unitäre Darstellung von
auf einem Hilbertraum
ist ein Homomorphismus
,
der bezüglich der schwachen
Operatortopologie stetig ist.
Die linksreguläre Darstellung
Um eine erfolgreiche Theorie unitärer Darstellungen aufbauen zu können, muss
es genügend viele solcher Darstellungen geben, um die Gruppe treu, das heißt injektiv,
darstellen zu können. Das wird durch die linksreguläre
Darstellung geleistet. Zu einer lokalkompakten Gruppe
gibt es bekanntlich ein links-Haarmaß
.
Daher kann man den Hilbertraum
konstruieren, den man unter Auslassung des Haarschen Maßes kurz als
schreibt. Für jedes
sei nun
durch
definiert, wobei
und
seien.
Aus der Linksinvarianz des Haarschen Maßes folgt, dass die
unitäre Operatoren sind. Man zeigt, dass
eine unitäre Darstellung ist; dies ist die sogenannte linksreguläre Darstellung.
Bemerkung: Würde man in der Formel
das
auf der rechten Seite durch
ersetzen, so erhielte man immer noch unitäre Operatoren, aber
wäre kein Homomorphismus, man hätte in „falscher Reihenfolge“
.
Die Verwendung von
in obiger Formel bringt die Reihenfolge in Ordnung.
Die Gruppenalgebra
Wie in der algebraischen Darstellungstheorie werden die Gruppendarstellungen auf Darstellungen zugehöriger Algebren ausgedehnt, weil Darstellungen von Algebren leichter zu handhaben sind.
Zur lokalkompakten Gruppe
mit links-Haarschem Maß
betrachtet man den
-Banachraum
.
Für
definiert man
und
durch die Formeln
,
,
wobei der Querstrich für die komplexe
Konjugation steht und
die modulare
Funktion von
ist. Man zeigt, dass
,
die sogenannte Faltung
aus
und
,
fast überall
definiert ist, und dass
mit der Faltung als Produkt und der Involution
eine Banach-*-Algebra mit Approximation
der Eins ist.
Zu jeder unitären Darstellung
der Gruppe konstruiert man eine Darstellung
,
wobei
durch folgende Formel definiert wird:
.
Man kann zeigen, dass die so definierte Darstellung
eine nicht-degenerierte
Hilbertraum-Darstellung ist, die auch mit der Involution verträglich ist,
das heißt, es gilt
für alle
-Funktionen
,
wobei der * auf der rechten Seite die Involution in der C*-Algebra
ist.
Ist umgekehrt
eine nicht-degenerierte *-Darstellung, so gibt es genau eine unitäre Darstellung
,
so dass sich
gemäß obiger Konstruktion aus
ergibt.
Daher ist die Darstellungstheorie von
äquivalent zu derjenigen von
.
Die Gruppen-C*-Algebra
Definition
Es sei
die universelle
Darstellung von
.
Die Gruppen-C*-Algebra
einer lokalkompakten Gruppe
ist als der Normabschluss von
in
definiert. Ist also
irgendeine nicht-degenerierte *-Darstellung, so gibt es nach Konstruktion einen
surjektiven
Homomorphismus
,
wobei der Querstrich für den Normabschluss in
steht.
Der kommutative Fall
Ist beispielsweise
kommutativ und
die Dualgruppe,
so definiert jedes
via Pontrjagin-Dualität
einen Homomorphismus
ist. Der durch
definierte Multiplikationsoperator
auf
ist unitär, da
nur Werte vom Betrag 1 annimmt. Man erhält daher eine unitäre Darstellung
,
was zu einer nicht-degenerierten *-Darstellung
führt, deren Normabschluss isomorph zur C*-Algebra
der im
Unendlichen verschwindenden stetigen Funktionen
ist. Nach obiger Konstruktion erhält man also einen surjektiven Homomorphismus
,
von dem man zeigen kann, dass er sogar ein Isomorphismus ist; man hat also die
Formel
.
Im Allgemeinen liegen nicht so einfache Verhältnisse vor, was auch daran liegt, dass der Hilbertraum der universellen Darstellung unzugänglich ist.
Die reduzierte Gruppen-C*-Algebra
Um den mit der universellen Darstellung verbundenen Schwierigkeiten aus dem
Wege zu gehen, liegt es nahe, die linksreguläre Darstellung
zu betrachten, denn dann hat man es nur mit dem Hilbertraum
zu tun. Die zugehörige Darstellung
ist nichts weiter als die Faltung:
,
wobei
und
.
Den Normabschluss von
in
nennt man die reduzierte Gruppen-C*-Algebra und bezeichnet diese mit
.
Nach oben vorgestellter Konstruktion setzt sich die linksreguläre Darstellung
zu einem surjektiven Homomorphismus
fort. Dieser ist im Allgemeinen nicht injektiv, obwohl die linksreguläre
Darstellung von
es ist. Man kann zeigen, dass dieser genau dann ein Isomorphismus ist, wenn die
Gruppe mittelbar
ist.
Die reduzierte Gruppen-C*-Algebra enthält nicht die volle Darstellungstheorie
der Gruppe, sofern diese nicht mittelbar ist, wie das Beispiel
der von zwei Elementen frei
erzeugten Gruppe zeigt. Man kann beweisen, dass
viele endlichdimensionale Darstellungen besitzt,
wohingegen
einfach ist
und daher keine endlichdimensionalen Darstellungen besitzen kann.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 09.11. 2020