Skalarproduktnorm
Eine Skalarproduktnorm, Innenproduktnorm oder Hilbertnorm ist in der Mathematik eine von einem Skalarprodukt induzierte (abgeleitete) Norm. In einem endlichdimensionalen reellen oder komplexen Vektorraum mit dem Standardskalarprodukt entspricht die Skalarproduktnorm gerade der euklidischen Norm. Allgemein besitzt jeder Prähilbertraum eine zugeordnete Skalarproduktnorm und ist mit dieser Norm ein normierter Raum. Eine Norm ist dabei genau dann von einem Skalarprodukt induziert, wenn sie die Parallelogrammgleichung erfüllt. Jede Skalarproduktnorm erfüllt weiterhin die Cauchy-Schwarz-Ungleichung und ist invariant unter unitären Transformationen.
Definition
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Ist
ein Vektorraum über den Körper
der reellen oder komplexen Zahlen und
ein Skalarprodukt auf
,
dann ist
ein Skalarproduktraum.
Die von diesem Skalarprodukt induzierte Norm
ist für einen Vektor
dann definiert als
,
also die Wurzel aus dem Skalarprodukt des Vektors mit sich selbst. Diese Definition ist wohldefiniert, da das Skalarprodukt eines Vektors mit sich selbst reell und nichtnegativ ist.
Diese Norm heißt auch Skalarproduktnorm,
Innenproduktnorm
oder Hilbertnorm
und wird in reellen Skalarprodukträumen gelegentlich als (allgemeine) euklidische Norm
bezeichnet.
Mit der Skalarproduktnorm ist der Vektorraum
ein normierter
Raum
.
Weiterhin ist
mit der von der Norm induzierten Metrik
ein metrischer
Raum
und mit der Normtopologie
ein topologischer
Raum
.
Beispiele
Wichtige Beispiele für Skalarproduktnormen sind:
- die euklidische Norm auf dem euklidischen Raum der endlichdimensionalen Vektoren,
- die ℓ2-Norm auf dem Raum ℓ2 der quadratisch summierbaren Folgen,
- die L2-Norm auf dem Raum L2 der quadratisch Lebesgue-integrierbaren Funktionen,
- die Sobolev-Norm
auf dem Sobolev-Raum
Hs der Funktionen, deren gemischte schwache Ableitungen
bis zum Grad
quadratisch Lebesgue-integrierbar sind,
- die Frobeniusnorm auf dem Raum der Matrizen,
- die Hilbert-Schmidt-Norm auf dem Raum der Hilbert-Schmidt-Operatoren.
Eigenschaften
Die durch das Skalarprodukt induzierte Abbildung
ist eine Norm, erfüllt also die Axiome:
Normaxiome
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Jede Skalarproduktnorm erfüllt die drei Normaxiome
Definitheit, absolute Homogenität
und Subadditivität.
Die Definitheit folgt für
aus der Eindeutigkeit der Nullstelle der Wurzelfunktion über
,
die absolute Homogenität folgt für
und
aus
und die Subadditivität (oder Dreiecksungleichung)
folgt für
über die Cauchy-Schwarz-Ungleichung
(siehe den folgenden Abschnitt) aus
wobei
den Realteil der komplexen Zahl angibt und in den beiden letzten Fällen noch die
(positive) Wurzel auf beiden Seiten gezogen werden muss.
Parallelogrammgleichung
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Für eine Skalarproduktnorm gilt zudem die Parallelogrammgleichung
für alle Vektoren .
Umgekehrt gilt nach dem Satz von
Jordan-von Neumann: erfüllt eine Norm
die Parallelogrammgleichung, so ist sie von einem Skalarprodukt induziert.
Dieses Resultat erhält man durch eine Polarisationsformel,
bei reellen Vektorräumen zum Beispiel durch
.
Unitäre Invarianz
Eine Skalarproduktnorm ist weiterhin invariant
unter unitären
Transformationen. Ist
ein unitärer
Operator (im endlichdimensionalen Fall eine unitäre
bzw. orthogonale
Matrix) von
in einen weiteren Skalarproduktraum
mit zugehöriger Norm, dann gilt
,
was unmittelbar aus
folgt, wobei
der zu
adjungierte
Operator (im endlichdimensionalen Fall die adjungierte bzw. transponierte
Matrix) ist. Eine Skalarproduktnorm ändert ihren Wert somit unter unitären
Transformationen des Vektors nicht. Im reellen, endlichdimensionalen Fall sind
solche Transformationen beispielsweise Drehungen
des Vektors um den Nullpunkt.
Cauchy-Schwarz-Ungleichung
Eine Skalarproduktnorm erfüllt für alle Vektoren
die Cauchy-Schwarz-Ungleichung
,
wobei Gleichheit genau dann gilt, wenn
und
linear
abhängig sind. Im reellen Fall können die Betragsstriche auch weglassen
werden. Aus der Cauchy-Schwarz-Ungleichung folgt dann unmittelbar
,
daher kann man den Winkel
zwischen zwei reellen Vektoren über
definieren. Der Winkel
liegt damit im Intervall
,
also zwischen
und
.
Für Winkel zwischen komplexen Vektoren gibt es eine Reihe unterschiedlicher
Definitionen.
Satz des Pythagoras
Allgemein werden zwei Vektoren
orthogonal
genannt, wenn ihr Skalarprodukt
ist. Für orthogonale Vektoren gilt dann der Satz des Pythagoras für
Skalarprodukträume
,
was direkt aus dem ersten Teil der obigen Herleitung der Dreiecksungleichung
folgt. Der Satz des Pythagoras kann auch auf eine endliche Summe paarweise
orthogonaler Vektoren
erweitert werden und es gilt dann
.
Die entsprechende Erweiterung auf unendlich viele Summanden in einem Hilbertraum ist die Parsevalsche Gleichung.
Verallgemeinerung
Verzichtet man auf die positive
Definitheit des Skalarprodukts, erhält man die folgende Verallgemeinerung.
Jede positiv semidefinite hermitesche
Sesquilinearform (im reellen Fall symmetrische
Bilinearform)
induziert für
durch
eine Halbnorm. Mit dieser Halbnorm
ist dann
ein halbnormierter
Raum, der aber im Allgemeinen kein metrischer Raum ist. Durch Restklassenbildung lässt
sich aus einer Halbnorm aber eine zugehörige Norm ableiten und so erhält man
wieder einen normierten Raum und damit auch einen metrischen und einen
topologischen Raum.
Beispiel
Die Kovarianz ist eine Bilinearform auf dem Raum der Zufallsvariablen mit endlichen zweiten Momenten, und wird zu einem Skalarprodukt auf dem Quotientenraum der Zufallsvariablen, die sich nur durch eine Konstante unterscheiden. Die von diesem Skalarprodukt induzierte Norm ist dann schlicht die Standardabweichung einer Zufallsvariablen.
Literatur
- Herbert Amann, Joachim Escher: Analysis I. Birkhäuser, Basel 2006, ISBN 3-7643-7755-0.
- Albrecht Beutelspacher: Lineare Algebra. 6. Auflage. Vieweg, 2003, ISBN 3-528-56508-X.
- Bronstein et al.: Taschenbuch der Mathematik. 7. Auflage. Harri Deutsch, 2008, ISBN 978-3-8171-2007-9.
- Harro Heuser: Funktionalanalysis: Theorie und Anwendung. Vieweg, 2006, ISBN 978-3-8351-0026-8.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 30.09. 2022