Konjugierte Matrix
Die konjugierte Matrix, kurz Konjugierte, ist in der Mathematik diejenige Matrix, die durch komplexe Konjugation aller Elemente einer gegebenen komplexen Matrix entsteht. Die Umwandlung einer Matrix in ihre konjugierte Matrix wird Konjugation der Matrix genannt. Die Konjugationsabbildung, die einer Matrix ihre Konjugierte zuordnet, ist stets bijektiv, linear und selbstinvers. Viele Kenngrößen konjugierter Matrizen, wie Spur, Determinante und Eigenwerte, sind gerade die komplex Konjugierten der jeweiligen Kenngrößen der Ausgangsmatrizen.
Die konjugierte Matrix wird beispielsweise bei der Definition der adjungierten Matrix verwendet, die durch Konjugation und Transposition einer gegebenen Matrix entsteht. Zudem wird die konjugierte Matrix auch in der Definition der konjugierten Ähnlichkeit von Matrizen eingesetzt.
Definition
dann ist die zugehörige konjugierte Matrix
definiert als
.
Die konjugierte Matrix
ergibt sich also dadurch, dass alle Einträge der Ausgangsmatrix
komplex
konjugiert werden. Gelegentlich wird die konjugierte Matrix auch durch
notiert, wobei dann allerdings Verwechslungsgefahr mit der adjungierten Matrix
besteht, die ebenso bezeichnet wird.
Beispiele
Die Konjugierte der Matrix
ist die Matrix
.
Für eine komplexe Matrix mit ausschließlich reellen Einträgen ist die Konjugierte gleich der Ausgangsmatrix.
Eigenschaften
Rechenregeln
Die folgenden Rechenregeln für konjugierte Matrizen folgen direkt aus den Rechenregeln der komplexen Konjugation. Es gelten
für alle Matrizen ,
und alle Skalare
.
Transponierte
Die Konjugierte der transponierten Matrix ist gleich der Transponierten der konjugierten Matrix, das heißt
.
Diese Matrix wird adjungierte
Matrix von
genannt und meist mit
oder
bezeichnet.
Inverse
Die Konjugierte einer regulären
Matrix
ist stets ebenfalls regulär. Für die Konjugierte der Inversen einer regulären
Matrix gilt dabei
.
Die Konjugierte der inversen Matrix ist demnach gleich der Inversen der konjugierten Matrix.
Exponential und Logarithmus
Für das Matrixexponential
der Konjugierten einer quadratischen Matrix
gilt
.
Entsprechend gilt für den Matrixlogarithmus der Konjugierten einer regulären komplexen Matrix
.
Konjugationsabbildung
Die Abbildung
,
die einer Matrix ihre Konjugierte zuordnet, wird Konjugationsabbildung genannt. Aufgrund der vorstehenden Gesetzmäßigkeiten besitzt die Konjugationsabbildung die folgenden Eigenschaften.
- Die Konjugationsabbildung ist stets bijektiv, linear und selbstinvers.
- Im Matrizenraum
stellt die Konjugationsabbildung einen Automorphismus dar.
- In der allgemeinen
linearen Gruppe
und im Matrizenring
stellt die Konjugationsabbildung (für
) ebenfalls einen Automorphismus dar.
Kenngrößen
Für den Rang
der Konjugierten einer Matrix
gilt
.
Für die Spur
der Konjugierten einer quadratischen Matrix
gilt jedoch
.
Ebenso gilt für die Determinante der Konjugierten einer quadratischen Matrix
.
Für das charakteristische
Polynom von
ergibt sich daraus
.
Die Eigenwerte
von
sind demnach gerade die komplex Konjugierten der Eigenwerte von
.
Auch die zugehörigen Eigenvektoren
können komplex konjugiert gewählt werden.
Normen
Für die Frobeniusnorm
und die Spektralnorm
der Konjugierten einer Matrix
gilt
und
.
Auch für die Zeilensummen- und die Spaltensummennorm der Konjugierten gilt
und
.
Diese Matrixnormen bleiben demnach unter Konjugation erhalten.
Verwendung
Spezielle Matrizen
Die konjugierte Matrix wird in der linearen Algebra unter anderem bei folgenden Definitionen verwendet:
- Die adjungierte
Matrix ist diejenige Matrix, die durch Konjugation und Transposition einer
gegebenen komplexen Matrix entsteht, also
.
- Eine hermitesche
Matrix ist eine komplexe quadratische Matrix, deren Transponierte gleich
ihrer Konjugierten ist, das heißt
.
- Eine schiefhermitesche
Matrix ist eine komplexe quadratische Matrix, deren Transponierte gleich
dem Negativen ihrer Konjugierten ist, das heißt
.
- Eine komplexe Matrix ist genau dann reell,
wenn sie gleich ihrer konjugierten Matrix ist, das heißt, wenn
gilt.
Produkt mit der Konjugierten
Für eine komplexe Zahl
ist die Zahl
als Betragsquadrat
stets reell und nichtnegativ. Für eine komplexe quadratische Matrix
muss jedoch die Matrix
nicht notwendigerweise reell sein. Die Determinante von
ist allerdings stets reell und nichtnegativ, denn es gilt mit dem Determinantenproduktsatz
.
Die Eigenwerte der Matrix
müssen ebenfalls nicht alle reell sein, jedoch treten die nicht-reellen
Eigenwerte paarweise komplex konjugiert auf. Die Matrix
tritt beispielsweise bei der Analyse komplexer
symmetrischer Matrizen auf.
Konjugierte Ähnlichkeit
Zwei quadratische Matrizen
heißen konjugiert ähnlich (englisch consimilar), wenn eine
reguläre Matrix
existiert, sodass
gilt. Die konjugierte Ähnlichkeit stellt ebenso wie die normale Ähnlichkeit
eine Äquivalenzrelation
auf der Menge der quadratischen Matrizen dar. Zwei reguläre Matrizen
sind dabei genau dann zueinander konjugiert ähnlich, wenn die Matrix
ähnlich zu der Matrix
ist.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 28.10. 2019