Ähnlichkeit (Matrix)
Die Ähnlichkeit im mathematischen Teilgebiet der linearen Algebra ist eine Äquivalenzrelation auf der Klasse der quadratischen Matrizen. Ähnliche Matrizen beschreiben dieselbe lineare Abbildung (Endomorphismus) bei Verwendung unterschiedlicher Basen.
Definition
Zwei quadratische
Matrizen
über dem Körper
heißen zueinander ähnlich, wenn es eine reguläre
Matrix
gibt, sodass
oder äquivalent
gilt. Die Abbildung
heißt Ähnlichkeitsabbildung oder Ähnlichkeitstransformation. Ist eine Matrix einer Diagonalmatrix ähnlich, so heißt sie diagonalisierbar, ist sie einer oberen Dreiecksmatrix ähnlich, so heißt sie trigonalisierbar.
Beispiel
Die beiden reellen Matrizen
und
sind zueinander ähnlich, denn mit der regulären Matrix
gilt
.
Die Matrix
ist dabei nicht eindeutig bestimmt, denn auch jedes Vielfache
mit
erfüllt diese Identität.
Eigenschaften
Kenngrößen
Zwei zueinander ähnliche Matrizen
haben das gleiche charakteristische
Polynom, denn es gilt mit der Kommutativität der Einheitsmatrix
,
dem Determinantenproduktsatz
und der Determinante
der Inversen
Daher haben zueinander ähnliche Matrizen
- die gleichen Eigenwerte (aber nicht notwendigerweise die gleichen Eigenvektoren),
- die gleiche Determinante und
- die gleiche Spur.
Außerdem haben zueinander ähnliche Matrizen
- den gleichen Rang,
- das gleiche Minimalpolynom und
- die gleiche jordansche Normalform
Charakterisierung
Zwei komplexe Matrizen sind genau dann zueinander ähnlich, wenn sie (bis auf die Reihenfolge der Jordanblöcke) die gleiche jordansche Normalform haben.
Allgemein sind nach dem Lemma
von Frobenius zwei Matrizen
und
genau dann zueinander ähnlich, wenn sie die gleiche Frobenius-Normalform
besitzen. Das ist genau dann der Fall, wenn ihre charakteristischen Matrizen
und
die gleiche Smith-Normalform
aufweisen.
Äquivalenzklassen
Die Ähnlichkeit von Matrizen ist eine Äquivalenzrelation, also reflexiv symmetrisch und transitiv. Man schreibt
,
wenn
und
zueinander ähnlich sind und notiert die zu einer Matrix
zugehörige Äquivalenzklasse
durch
.
Zum Beispiel besteht die Äquivalenzklasse der zu einem Vielfachen
der Einheitsmatrix
ähnlichen Matrizen aus genau einem Element
,
denn
für alle regulären Matrizen
.
Die Ähnlichkeit von Matrizen ist ein Spezialfall der allgemeiner definierten
Äquivalenz
auf der Klasse der -Matrizen.
Berechnung der Transformationsmatrix
Vorgehensweise
Sind zwei zueinander ähnliche Matrizen
gegeben, so lässt sich eine Matrix
,
mit der
gilt, folgendermaßen ermitteln. Zunächst werden die beiden Matrizen
und
in die gleiche Frobenius-Normalform (oder, falls möglich, die gleiche
Jordan-Normalform)
überführt. Sind die beiden hierzu verwendeten Ähnlichkeitstransformationen
und
mit regulären Matrizen ,
so folgt daraus durch Gleichsetzen
.
Die gesuchte Transformationsmatrix ist demnach
.
Beispiel
Seien die beiden -Matrizen
und
wie im obigen Beispiel gegeben. Die charakteristischen Polynome der beiden
Matrizen ergeben sich zu
und
.
Die beiden charakteristischen Polynome stimmen also überein, wobei die
Eigenwerte
und
sind. Nachdem das charakteristische Polynom vollständig in reelle Linearfaktoren
zerfällt, lässt sich zu beiden Matrizen die gleiche Jordan-Normalform
aufstellen, die in diesem Fall die Diagonalgestalt
hat. Die Transformationsmatrizen in die Jordan-Normalform haben dabei die
Form
und
,
wobei
jeweils Eigenvektoren zum Eigenwert
und
jeweils Eigenvektoren zum Eigenwert
sind. Für
ergeben sich zwei Eigenvektoren durch Lösung von
und
als
und
.
Entsprechend ergeben sich für
zwei Eigenvektoren durch Lösung von
und
als
und
.
Die beiden Transformationsmatrizen in die Jordan-Normalform
sind demnach
und
und die gesuchte Ähnlichkeitstransformationsmatrix ist damit
.
Siehe auch
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 02.10. 2017