Matrixlogarithmus
In der Mathematik ist der Logarithmus einer Matrix eine Verallgemeinerung des skalaren Logarithmus auf Matrizen. Er ist in gewissem Sinn eine Umkehrfunktion des Matrixexponentials.
Definition
Eine Matrix
ist ein Logarithmus einer gegebenen Matrix
,
wenn
das Matrixexponential
von
ist:
Eigenschaften
Eine Matrix hat einen Logarithmus genau dann, wenn sie invertierbar ist. Dieser Logarithmus kann eine nicht-reelle Matrix sein, selbst wenn alle Einträge in der Matrix reelle Zahlen sind. In diesem Fall ist der Logarithmus nicht eindeutig.
Berechnung des Logarithmus einer diagonalisierbaren Matrix
Im Folgenden wird eine Methode beschrieben,
für ein diagonalisierbare
Matrix
zu berechnen:
- Ermittle die Matrix
von Eigenvektoren von
(jede Spalte von
ist ein Eigenvektor von
).
- Berechne die Inverse
von
.
- Sei
.
- Dann ist
eine diagonale Matrix, deren diagonale Elemente Eigenwerte von
sind.
- Ersetze jedes diagonale Element von
durch dessen natürlichen Logarithmus, um
zu erhalten. Dann gilt
.
Dass der Logarithmus von
komplex sein kann, obwohl
reell ist, ergibt sich aus der Tatsache, dass eine reelle Matrix komplexe
Eigenwerte haben kann (dies gilt zum Beispiel für Rotationsmatrizen). Die
Nichteindeutigkeit des Logarithmus folgt aus der Nichteindeutigkeit des
Logarithmus einer komplexen Zahl.
Beispiel: .
Wie man nun
berechnet, ist nicht eindeutig definiert, da der natürliche Logarithmus bei −1
den Verzweigungsschnitt
hat. Nähert man sich der Zahl
mit positivem Imaginärteil, so ist
;
nähert man sich der Zahl
mit negativem Imaginärteil, so erhält man
.
Hier sieht man die Uneindeutigkeit des Logarithmus und auch die nicht
notwendigerweise reellwertigen Einträge, obwohl die Matrix reellwertig war.
Der Logarithmus einer nichtdiagonalisierbaren Matrix
Der obige Algorithmus funktioniert nicht für nichtdiagonalisierbare Matrizen wie zum Beispiel
Für solche Matrizen muss man zunächst die Jordansche Normalform ermitteln. Statt des Logarithmus der Diagonaleneinträge muss man hier den Logarithmus der Jordan-Blöcke berechnen.
Letzteres wird dadurch erreicht, dass man die Jordan-Matrix schreibt als
wobei K eine Matrix mit Nullen unter und auf der Hauptdiagonalen ist. (Die Zahl λ ist ungleich null, wenn man annimmt, dass die Matrix, deren Logarithmus man berechnen möchte, invertierbar ist.)
Durch die Formel
erhält man
Diese Reihe
konvergiert für eine allgemeine Matrix
nicht, wie sie es für reelle Zahlen mit Betrag kleiner
tun würde. Diese spezielle Matrix
jedoch ist eine nilpotente
Matrix, so dass die Reihe eine endliche Anzahl von Termen hat (
ist null, wenn
den Rang
von
bezeichnet).
Durch diesen Ansatz erhält man
Aus dem Blickwinkel der Funktionalanalysis
Eine quadratische Matrix repräsentiert einen linearen Operator auf
dem Euklidischen
Raum .
Da dieser Raum endlichdimensional ist, ist jeder Operator beschränkt.
Sei
eine holomorphe
Funktion auf einer offenen
Menge in der komplexen
Ebene, und sei
ein beschränkter Operator. Man kann
berechnen, wenn
auf dem Spektrum
von
definiert ist.
Die Funktion
kann auf jeder einfach
zusammenhängenden offenen Menge in der komplexen Ebene, die Null nicht
enthält, definiert werden und ist auf dieser Definitionsmenge
holomorph. Daraus folgt, dass
definiert ist, wenn das Spektrum von
Null nicht enthält und es einen Pfad von null in die Unendlichkeit gibt, der das
Spektrum von
nicht schneidet (Bildet zum Beispiel das Spektrum von
eine Kreislinie, deren Mittelpunkt null ist, dann ist es nicht möglich,
zu definieren).
Für den speziellen Fall des Euklidischen Raums ist das Spektrum
eines linearen Operators die Menge der Eigenwerte der Matrix, also endlich.
Solange null nicht im Spektrum enthalten ist (die Matrix also invertierbar ist)
und damit offensichtlich die obige Pfadbedingung erfüllt ist, folgt, dass
wohldefiniert ist. Die Nichteindeutigkeit folgt aus der Tatsache, dass man mehr
als einen Zweig des Logarithmus wählen kann, welcher auf der Menge der
Eigenwerte der Matrix definiert ist.
Siehe auch
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 09.01. 2020