C0-Funktion
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In der Mathematik ist eine -Funktion
eine stetige
Funktion,
die anschaulich betrachtet im Unendlichen verschwindet.
Definition
Sei
ein topologischer
Raum (beispielsweise die reellen
Zahlen
oder der
).
Eine Funktion
mit
oder
verschwindet im Unendlichen genau dann, wenn für jede Umgebung
der Null eine kompakte
Teilmenge (im Falle des
eine beschränkte
Teilmenge)
von
existiert, sodass das Bild
Teilmenge von
ist. Ist
zudem stetig, so nennt man
eine
-Funktion.
Die Menge aller dieser Funktionen wird mit
oder – falls keine Missverständnisse zu befürchten sind – mit
bezeichnet.
Man betrachtet diesen Begriff dabei nur für lokalkompakte Hausdorffräume, denn für
Nicht-Hausdorffräume ist das Konzept der Kompaktheit eher pathologisch und für
einen nicht lokalkompakten Hausdorffraum müssten alle Punkte ohne eine kompakte
Umgebung Nullstellen einer jeden -Funktion
sein: Keine Umgebung des jeweiligen Punktes ist in einem Kompaktum enthalten,
somit werden in jeder Umgebung von der Funktion Werte beliebig nahe der Null
angenommen, aufgrund der Stetigkeit ist der Punkt damit Nullstelle. Somit wäre
etwa in jedem nicht lokalkompakten, homogenen Hausdorffraum
– typisches Beispiel wäre ein unendlichdimensionaler normierter Raum
– jede
stets lokalkompakt und Hausdorffsch.
Abstraktere Definition:
(
sei der Raum aller stetigen Funktionen auf
)
ist genau dann eine
-Funktion,
wenn
kompakt ist oder der Bildfilter unter
des Filters
,
der von den Komplementen kompakter Teilmengen von
erzeugt wird, gegen 0 konvergiert.
Beispiele
- Jede reelle Funktion, die außerhalb einer beschränkten Menge 0 ist,
verschwindet im Unendlichen. Ist sie stetig, ist sie eine
-Funktion.
- Allgemeiner ist jede stetige
Funktion mit kompaktem Träger eine
-Funktion.
- Insbesondere ist auch jede stetige Funktion auf einem kompakten Raum eine
-Funktion.
- Die Dichtefunktion
einer Normalverteilung,
im Wesentlichen
zuzüglich Skalierungen und Verschiebungen, ist eine
-Funktion.
- Eine Funktion
ist genau dann eine
-Funktion, wenn sie stetig ist und
.
- Sei
diskret. Die kompakten Mengen sind dann genau die endlichen Mengen. D.h. eine Funktion liegt genau dann in
, wenn sie für jedes
nur endlich viele Male einen Wert annimmt, der betragsmäßig größer als
ist. Die Forderung nach Stetigkeit ist in diesem Fall keine Einschränkung, da jede Funktion auf einem diskreten Raum stetig ist. Man bezeichnet
dann als
, wobei
eine beliebige Menge sei, die topologische Struktur also nicht vorausgesetzt wird. Für
ist dies gerade der Folgenraum
aller Nullfolgen.
- Ist
nicht kompakt, so ist die konstante Funktion mit Wert 1 stetig, aber nicht
.
Normierter Raum
Die Summe von zwei -Funktionen
ist wiederum eine
-Funktion,
ebenso das punktweise Produkt mit einer reellen bzw. komplexen Zahl. Damit
bildet
einen Vektorraum. Zudem ist jede
-Funktion
beschränkt: Sei hierfür
ein Kompaktum, dessen Existenz nach Definition garantiert ist, sodass außerhalb
dieses Kompaktums die Funktion betragsmäßig kleiner als eine beliebige positive
reelle Zahl wird. Somit ist die Funktion außerhalb des Kompaktums beschränkt.
Innerhalb des Kompaktums ist sie ebenfalls beschränkt, da eine stetige Funktion
auf einem Kompaktum stets beschränkt ist. Somit ist die Funktion auf dem ganzen
Raum beschränkt. Daher lässt sich der Raum
mit der Supremumsnorm
ausstatten.
wird damit zu einem normierten
Raum. Dieser ist vollständig
bezüglich der Norm und somit ein Banachraum.
Er kann als abgeschlossener
Untervektorraum,
d.h. als Unterbanachraum, des Raumes aller beschränkter Funktionen mit der
Supremumsnorm aufgefasst werden.
Die stetigen Funktionen mit kompaktem Träger
bilden einen dichten
Untervektorraum von
.
Man sieht leicht ein, dass jeder gleichmäßige Limes (d.h. bezüglich der
Supremumsnorm) von
-Funktionen
eine
-Funktion
ist. Umgekehrt nutzt man die Tatsache aus, dass in einem lokalkompakten Raum für
jede kompakte Teilmenge
eine stetige Funktion
mit kompaktem Träger existiert, die auf
den Wert 1 annimmt (siehe auch Zerlegung
der Eins): Sei
,
und
für
.
Wähle eine Funktion
wie oben beschrieben. Dann ist
und
.
Beispiel: Im Fall von Folgenräumen bezeichnet man
,
versehen mit der diskreten Topologie, als
,
das ist die Menge aller Folgen, die schlussendlich nur noch den Wert 0 annehmen.
Diese ist dicht im Raum der Nullfolgen
.
Algebra
Das punktweise Produkt von zwei -Funktionen
ist wiederum eine
-Funktion,
somit bildet
eine kommutative
Algebra.
Sogar das Produkt einer
-Funktion
mit einer beliebigen beschränkten stetigen Funktion ist wiederum eine
-Funktion,
womit sie ein abgeschlossenes Ideal
in dem Raum der beschränkten Funktionen bilden. Offenbar gilt für
die Ungleichung
.
Daher ist
eine Banach-Algebra.
Sei nun
die punktweise komplexe
Konjugation von
bzw. einfach nur
im reellen Fall, dann gilt
.
Daher bildet
mit dieser Involution
sogar eine kommutative C*-Algebra.
Nach dem Satz
von Gelfand-Neumark ist jede kommutative, komplexe C*-Algebra isomorph
zu einem Raum
für einen lokalkompakten Hausdorffraum
.
Es ist
ein Ideal in
.
Alexandroff-Kompaktifizierung
Sei in diesem Abschnitt
nicht kompakt. Der oben definierte Filter
konvergiert nicht auf
,
wohl aber sein Bildfilter. Die Alexandroff-Kompaktifizierung
des Raums
ist nun der Raum ergänzt um einen unendlich fernen Punkt
,
gegen den dieser Filter konvergieren möge. Seine Umgebungen seien gerade die
Elemente von
vereinigt mit
,
.
Dieser Raum ist kompakt und jede Funktion
lässt sich zu einer Funktion
fortsetzen mit
.
Diese Fortsetzung ist stetig, denn das Bild von
konvergiert gegen 0, das Bild von
.
Umgekehrt lässt sich zeigen, dass sich eine Funktion auf einem lokalkompakten
Hausdorffraum genau dann zu einer stetigen Funktion auf der
Alexandroff-Kompaktifizierung fortsetzen lässt, wenn sie die Form
mit
und
hat.
Satz von Stone-Weierstraß und Separabilität
Durch Fortsetzung auf die Alexandroff-Kompaktifizierung lässt sich der Satz
von Stone-Weierstraß von stetigen Funktionen auf einem kompakten Raum auf
die -Funktionen
auf einem lokalkompakten Raum übertragen: Es gilt, dass jede abgeschlossene, punktetrennende,
involutive (d.h. auch unter der Konjugation abgeschlossene) Unteralgebra
von
entweder
selbst oder eine Unteralgebra
für ein
ist. Somit folgt wiederum, dass
dicht in
liegt.
Unter Verwendung des Satzes von Stone-Weierstraß lässt sich zeigen, dass
genau dann separabel
ist, wenn der Raum
das zweite
Abzählbarkeitsaxiom erfüllt.
Erfülle zunächst
das zweite Abzählbarkeitsaxiom. Man wähle nun eine abzählbare Basis
der Topologie aus relativ
kompakten Teilmengen, dies ist möglich, indem man aus einer abzählbaren
Basis einfach alle nicht relativ kompakten Elemente streicht. Für
mit
wähle eine stetige Funktion, die den Wert 1 auf
und 0 außerhalb von
annimmt. So erhält man eine abzählbare Menge von
-Funktionen,
die sich zu einer abzählbaren
-
(bzw.
-
im komplexen Fall) Unteralgebra ergänzen lässt. Diese ist punktetrennend und an
keinem Punkt stets 0, denn für
gibt es Umgebungen
von
mit
,
die
nicht enthalten. Die entsprechende Funktion nimmt dann bei
den Wert 1 und bei
den Wert 0 an. Damit ist diese Unteralgebra nach dem Satz von Stone-Weierstraß
dicht in
.
Umgekehrt folgt aus der Separabilität von
auch, dass
das zweite Abzählbarkeitsaxiom erfüllt: Sei eine abzählbare dichte Teilmenge
von
gegeben. Diese trennt Punkte von abgeschlossenen Mengen, denn für jeden Punkt
und jede abgeschlossene Menge
existiert eine
-Funktion,
die auf
den Wert 0 und bei
den Wert 1 annimmt, also auch eine Funktion in
,
die auf
betragsmäßig kleiner als
und bei
betragsmäßig größer als
ist.
trägt somit die Initialtopologie bezüglich
.
Eine abzählbare Subbasis
und damit eine abzählbare Basis ergeben sich aus den Urbildern bezüglich der
Funktionen in
einer abzählbaren Basis in
.
Dualraum
Nach einer Variante des Darstellungssatzes
von Riesz-Markow entsprechen die positiven
(linearen) Funktionale auf dem Raum
der stetigen Funktionen mit kompakten Träger genau dem Raum der regulären Maße,
d.h. für jedes positive Funktional existiert ein reguläres Maß
,
sodass das Funktional nichts anderes als die Abbildung
ist. Ein solches Funktional lässt sich genau dann zu einem stetigen Funktional
auf
fortsetzen, wenn es selbst stetig, das heißt beschränkt ist, denn
ist die Vervollständigung von
und die Fortsetzbarkeit ergibt sich direkt aus der universellen
Eigenschaft der Vervollständigung. Diese Fortsetzung ist eindeutig.
Umgekehrt lässt sich natürlich jedes positive stetige Funktional auf
zu einem auf
einschränken. Die positiven stetigen Funktionale auf
entsprechen somit genau den regulären, endlichen Maßen auf
.
Jedes Element des Dualraums
,
d.h. jedes stetige Funktional auf
,
lässt sich als Differenz zweier positiver stetiger Funktionale (im komplexen
Fall kommen positive und negative komplexe Komponenten hinzu) darstellen. Diese
entsprechen endlichen regulären Maßen, die sich mittels der Hahn-Jordan-Zerlegung
wiederum zu einem signierten
Maß (bzw. im komplexen Fall komplexen
Maß) zusammensetzen lassen. Der Dualraum
entspricht damit genau den regulären, endlichen signierten bzw. komplexen Maßen.
Genauer: Stattet man diese Maße mit der Variationsnorm aus (für
positive Maße ist das gerade das Maß des gesamten Raumes), bilden sie einen
Banachraum, der isomorph
zu
ist mittels des Isomorphismus, der jedem regulären, endlichen signierten bzw.
komplexen Maß
das Funktional
zuordnet.
Siehe auch
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 05.06. 2019