Umgebung (Mathematik)
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Umgebung ist ein Begriff der Mathematik
aus der Topologie,
der in vielen Teilgebieten gebraucht wird. Er ist eine Verallgemeinerung des
Begriffs der -Umgebung
aus der Analysis und präzisiert das
umgangssprachliche Konzept der ‚Umgebung‘ für den mathematischen Gebrauch.
Mathematische Eigenschaften, die auf eine gewisse Umgebung bezogen sind, heißen lokal, im Unterschied zu global.
Umgebungen in metrischen Räumen
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Definition
In einem metrischen
Raum
ergibt sich der Umgebungsbegriff aus der Metrik
:
Man definiert die sogenannten
-Umgebungen.
Für jeden Punkt
des Raums
und jede positive reelle Zahl
(Epsilon) wird definiert:
Die so definierte -Umgebung
von
wird auch offene
-Kugel
um
oder offener Ball genannt. Eine Teilmenge von
ist nun genau dann eine Umgebung des Punktes
,
wenn sie eine
-Umgebung
von
enthält.
Äquivalent lässt sich der Umgebungsbegriff in metrischen Räumen auch direkt
ohne Verwendung des Begriffes einer -Umgebung
definieren:
- Eine Menge
heißt genau dann Umgebung von
, wenn es ein
gibt, so dass für alle
mit
die Eigenschaft
erfüllt ist.
Mit Quantoren lässt sich der Sachverhalt auch so ausdrücken:
Beispiele
- Die Menge der reellen Zahlen wird durch die Definition der Metrik
zu einem metrischen Raum. Die
-Umgebung einer Zahl
ist das offene Intervall
.
- Die Menge der komplexen Zahlen wird ebenso zum metrischen Raum. Die
-Umgebung einer Zahl
ist die offene Kreisscheibe um
vom Radius
.
- Etwas allgemeiner tragen alle
-dimensionalen reellen Vektorräume durch den üblichen (von der euklidischen Norm induzierten) Abstandsbegriff eine Metrik. Die
-Umgebungen sind hier
-dimensionale Kugeln (im geometrischen Sinn) vom Radius
. Dies motiviert die allgemeinere Sprechweise von
-Kugeln auch in anderen metrischen Räumen.
- Ein wichtiges Beispiel aus der reellen Analysis:
Der Raum der beschränkten
Funktionen auf einem reellen Intervall
wird durch die Supremumsnorm zu einem metrischen Raum. Die
-Umgebung einer beschränkten Funktion
auf
besteht hier aus allen Funktionen, die
punktweise mit einer kleineren Abweichung als
approximieren. Anschaulich: Die Schaubilder aller dieser Funktionen liegen innerhalb eines „
-Schlauches“ um das Schaubild von
herum.
Nehme zum Beispiel die folgende Menge :
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Diese Menge
ist eine Umgebung von
,
weil sie eine Obermenge von
für ein
ist:
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Umgebungen in topologischen Räumen
Gegeben sei ein topologischer
Raum
Zu jedem Punkt
gehört die Menge seiner Umgebungen
Das sind in erster Linie die offenen Mengen
die
als Element enthalten. Sie heißen offene Umgebungen von
Dazu kommen alle Mengen
,
die eine offene Umgebung von
als Teilmenge enthalten. Damit ist
Umgebung von
also
wenn es eine offene Menge in
,
also
gibt, für die gilt
Die Menge
der Umgebungen des Punktes
bildet bezüglich der Mengeninklusion einen Filter,
den ‚Umgebungsfilter‘
von
.
Eine Teilmenge
von
heißt eine Umgebungsbasis
von
,
oder Basis von
wenn jede Umgebung von
ein Element
als Teilmenge enthält. So bilden die offenen Umgebungen eines Punktes stets eine
Basis seines Umgebungssystems. Ein anderes Beispiel bilden die
-Umgebungen
eines Punktes in einem metrischen Raum. Ebenso in
die Quadrate mit Mittelpunkt
und positiver Seitenlänge.
Eine Teilmenge
eines topologischen Raumes
heißt Umgebung der Menge
,
falls eine offene Menge
mit
existiert.
Eigenschaften
Für die Umgebungen gelten folgende Eigenschaften:
- Ist
, so gilt
. (Jede Umgebung eines Punktes enthält den Punkt.)
- Ist
und
, so ist auch
. (Jede Obermenge einer Umgebung eines Punktes ist wieder Umgebung des Punktes.)
- Ist
und
, so gilt auch
. (Die Schnittmenge zweier Umgebungen eines Punktes ist wieder Umgebung des Punktes. Damit ist auch die Schnittmenge einer endlichen Menge von Umgebungen eines Punktes wieder Umgebung des Punktes.)
- Zu jedem
existiert ein
, so dass
für jedes
gilt. (Die Umgebung eines Punktes kann gleichzeitig Umgebung anderer in ihr enthaltener Punkte sein. Im Allgemeinen ist eine Umgebung
eines Punktes
nicht Umgebung aller in ihr enthaltenen Punkte, sie enthält aber eine weitere Umgebung
von
, so dass
Umgebung aller Punkte in
ist.)
Diese vier Eigenschaften werden auch die Hausdorffschen Umgebungsaxiome genannt und bilden die historisch erste Formalisierung des Begriffes des topologischen Raumes.
Denn ordnet man umgekehrt jedem Punkt
einer Menge
ein die obigen Bedingungen erfüllendes Mengensystem
zu, so gibt es eine eindeutig bestimmte Topologie auf
,
so dass für jedes
das System
das Umgebungssystem
von
ist. So erfüllen beispielsweise die oben definierten Umgebungen in metrischen
Räumen die Bedingungen 1 bis 4 und bestimmen damit auf der Menge
eindeutig eine Topologie: die durch die Metrik induzierte Topologie.
Verschiedene Metriken können denselben Umgebungsbegriff und damit dieselbe
Topologie induzieren.
Eine Menge ist in diesem Fall genau dann offen, wenn sie mit jedem ihrer Punkte auch eine Umgebung dieses Punktes enthält. (Dieser Satz motiviert die Verwendung des Wortes „offen“ für den oben definierten mathematischen Begriff: Jeder Punkt nimmt seine nächsten Nachbarn in die offene Menge mit, keiner steht anschaulich gesprochen „am Rand“ der Menge.)
Punktierte Umgebung
Definition
Eine punktierte Umgebung
eines Punktes
entsteht aus einer Umgebung
,
indem man den Punkt
entfernt, also
.
Punktierte Umgebungen spielen insbesondere bei der Definition des Grenzwerts einer Funktion eine Rolle, ebenso in der Funktionentheorie bei der Betrachtung von Wegintegralen holomorpher Funktionen.
Beispiel
In einem metrischen Raum
sieht eine punktierte
-Umgebung
folgendermaßen aus:
Literatur
- Boto von Querenburg: Mengentheoretische Topologie (= Springer-Lehrbuch). 3., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u.a. 2001, ISBN 3-540-67790-9.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 02.06. 2021