Polygonzug (Mathematik)
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Ein Polygonzug oder Streckenzug ist in der Mathematik die Vereinigung der Verbindungsstrecken einer Folge von Punkten. Polygonzüge werden in vielen Teilgebieten der Mathematik verwendet, etwa in der Geometrie, der Numerik, der Topologie, der Analysis und der Funktionentheorie. Darüber hinaus kommen sie auch in einigen Anwendungsgebieten wie in der Computergrafik oder der Geodäsie zum Einsatz.
Polygonzüge in der Geometrie
Definition
Sind
Punkte
in der euklidischen
Ebene oder im euklidischen
Raum, dann heißt die Vereinigung der Strecken
Streckenzug oder Polygonzug von
nach
.
Fallen
und
zusammen, spricht man von einem geschlossenen Polygonzug, ansonsten von
einem offenen Polygonzug.[1]
Bezug zu Polygonen
Die geometrische
Figur, deren Rand
von einem geschlossenen Polygonzug gebildet wird, heißt Polygon,
die Punkte
heißen Eckpunkte des Polygons und die Strecken
heißen Seiten des Polygons. Liegen die Punkte in einer Ebene, so nennt man
diese Figur ein ebenes Polygon, andernfalls ein windschiefes
Polygon.
Verwendung
Polygonzüge besitzen vielfältige Einsatzmöglichkeiten, beispielsweise bei der Interpolation von Datenpunkten, bei der numerischen Lösung gewöhnlicher Differentialgleichungen mit dem eulerschen Polygonzugverfahren sowie bei der Modellierung in der Computergrafik und im Computer-Aided Design.
Polygonzüge in der Analysis
Definition
Sei nun allgemein
ein reeller Vektorraum
und seien
gegebene Elemente des Vektorraums, dann heißt die Vereinigung
der Strecken
Streckenzug oder Polygonzug von
nach
.
Ist
ein topologischer
Vektorraum, dann sind diese Strecken stetige
Bilder
des Einheitsintervalls
und damit kompakt, was dann auch für die aus ihnen gebildeten endlichen Vereinigungen gilt.
Jeder Streckenzug ist stets auch Beispiel eines Kontinuums.
Rektifizierbarkeit
Polygonzüge spielen eine wesentliche Rolle für die Längenmessung
von Kurven
im -dimensionalen
Raum.
Eine Länge ist allein erklärt für rektifizierbare Kurven.
Zum Nachweis der Rektifizierbarkeit betrachtet man für eine gegebene Kurve
alle Polygonzüge
von
nach
,
durch deren Ecken
die Kurve in dieser Reihenfolge verläuft, welche also so beschaffen sind, dass
die Seiten des von den Ecken gebildeten Polygons zugleich Sehnen von
darstellen. Ein derartiger Polygonzug wird auch als Sehnenzug oder als
Sehnenpolygon bezeichnet und man sagt,
ist
einbeschrieben. Zur Feststellung der Rektifizierbarkeit von
zwischen
und
werden die Längen aller einbeschriebenen Sehnenpolygone untersucht. Dabei
versteht man unter der Länge eines Polygonzugs die Summe der Längen
seiner Strecken.
Wenn für all diese Längen innerhalb
eine obere
Schranke existiert, dann ist
eine rektifizierbare Kurve, und zwar nur dann. In diesem Falle wird die Länge
als das Supremum
aller Längen einbeschriebener Sehnenpolygone definiert (alles für den
Kurvenabschnitt
bis
).
Für die Feststellung der Rektifizierbarkeit von Kurven gilt folgendes Kriterium:
- Eine Kurve im
mit der stetigen Parametrisierung
ist genau dann rektifizierbar, wenn die Koordinatenfunktionen
von beschränkter Variation sind.
Zusammenhang mit der Gebietseigenschaft
Die Polygonzüge spielen ebenfalls eine Rolle für die Feststellung, wann im Raum ein Gebiet vorliegt und wann nicht. Hier gilt der folgende Satz:
- Eine offene
Teilmenge
eines topologischen Vektorraums (und insbesondere des
-dimensionalen Raums) ist genau dann zusammenhängend, wenn sich je zwei Punkte von
durch einen ganz in
liegenden Polygonzug verbinden lassen.
Siehe auch
Literatur
- Rudolf Bereis: Darstellende Geometrie I (= Mathematische Lehrbücher und Monographien. Band 11). Akademie-Verlag, Berlin 1964.
- Jürgen Elstrodt: Maß- und Integrationstheorie (= Grundwissen Mathematik (Springer-Lehrbuch)). 6., korrigierte Auflage. Berlin / Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-89727-9.
- Harro Heuser: Lehrbuch der Analysis. Teil 2 (= Mathematische Leitfäden). 5., durchgesehene Auflage. Teubner Verlag, Wiesbaden 1990, ISBN 3-519-42222-0.
Anmerkungen
- ↑
In der Regel wird der Grenzfall, dass
nur aus einer einzigen Strecke oder gar nur aus einem einzigen Punkt besteht, ausgeschlossen. Polygonzüge bestehen also in der Regel aus mindestens zwei Strecken.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 29.06. 2021