Endliche Menge
In der Mengenlehre, einem Teilgebiet der Mathematik, ist eine endliche Menge eine Menge mit endlich vielen Elementen. So ist beispielsweise die Menge
eine endliche Menge mit vier Elementen. Die leere
Menge hat per definitionem keine Elemente, d.h. die Anzahl der
Elemente (Kardinalität
oder Mächtigkeit) ist ,
sie gilt daher auch als endliche Menge. Die Kardinalität (geschrieben
für eine Menge
)
einer endlichen Menge wird mit einer natürlichen Zahl
(unter Einbeziehung der Null)
identifiziert, beispielsweise schreibt man dann
,
um auszudrücken, dass
aus vier Elementen besteht.
Eine Menge, die nicht endlich ist, wird als unendliche Menge bezeichnet.
Definition
Eine Menge
heißt endlich, wenn es eine natürliche
Zahl
gibt, sodass eine Bijektion
(eine Eins-zu-eins-Zuordnung)
zwischen
und der Menge aller natürlichen Zahlen kleiner als
,
,
existiert.
Insbesondere ist also für
die leere Menge endlich, da eine Bijektion zwischen der leeren Menge und der
leeren Menge (alle natürlichen Zahlen kleiner als
,
solche existieren nicht) existiert.
So ist zum Beispiel die Menge
endlich, da eine Bijektion zur Menge
existiert, siehe etwa nebenstehende Abbildung.
Für die Menge aller natürlichen Zahlen
existiert hingegen keine solche Bijektion auf eine endliche Menge, die
Menge
ist daher unendlich.
Grundlegende Eigenschaften endlicher Mengen
- Jede Teilmenge einer endlichen Menge
ist ebenfalls endlich.
- Sind
endliche Mengen, so sind auch ihre Vereinigungsmenge
und ihre Schnittmenge
endlich.
- Ist
eine endliche Menge, dann ist die Differenzmenge
für beliebige Mengen
endlich.
- Andersherum ist
unendlich, und
endlich, so ist
unendlich.
- Für die Kardinalität
der Vereinigungsmenge
gilt
; sind
und
disjunkt, so hat man
.
- Die Potenzmenge
einer endlichen Menge hat eine höhere Mächtigkeit als die Menge selbst, ist
aber immer noch endlich, es gilt
.
- Das kartesische
Produkt endlicher Mengen ist endlich. Seine Mächtigkeit ist höher als die
aller beteiligter Faktoren, wenn kein Faktor leer ist und mindestens zwei
Faktoren eine Mächtigkeit größer
haben. Für endliche Mengen
gilt
.
Dedekind-Endlichkeit
Eine andere Unterscheidung zwischen endlichen und unendlichen Mengen stammt von Dedekind. Er definierte:
- Eine Menge
heißt endlich, wenn sie zu keiner echten Teilmenge gleichmächtig ist, anderenfalls unendlich.
Man spricht heute von Dedekind-Endlichkeit bzw. Dedekind-Unendlichkeit.
Um nun zu zeigen, dass jede endliche Menge auch Dedekind-endlich ist, genügt es, Folgendes zu zeigen:
- Die leere Menge ist zu keiner echten Teilmenge gleichmächtig.
- Wenn
zu keiner echten Teilmenge gleichmächtig ist, dann ist auch
zu keiner echten Teilmenge (von sich selbst) gleichmächtig.
(Punkt 1 ist klar, da die leere Menge keine echten Teilmengen hat. Zu Punkt 2
muss man zeigen, dass man aus einer Bijektion
zwischen der Menge
und einer echten Teilmenge
von
eine Bijektion
zwischen
und einer echten Teilmenge
gewinnen kann.)
Umgekehrt ist jede Dedekind-endliche Menge
auch endlich, denn wäre
unendlich, so könnte man mit Hilfe des Auswahlaxioms
eine Folge
von paarweise verschiedenen Elementen
finden. Die Abbildung
zeigt dann, dass
zur echten Teilmenge
gleichmächtig und daher nicht Dedekind-endlich ist. Widerspruch!
Erblich endliche Mengen
Eine Menge
heißt erblich endlich, wenn die transitive
Hülle endlich ist. Das heißt, dass nicht nur
endlich ist, sondern auch alle Elemente aus
endliche Mengen sind, und deren Elemente ebenfalls endliche Mengen sind, und so
weiter.
Nach Definition sind alle erblich-endlichen Mengen endlich. Die Umkehrung
gilt nicht, so ist etwa
eine endliche Menge, denn sie enthält als einziges Element
,
aber das Element
selbst ist nicht endlich.
In der abstrakten Mengenlehre werden die natürlichen Zahlen als erblich endliche Mengen eingeführt:
Damit sind die natürlichen Zahlen selbst endliche Mengen, sogar erblich
endlich, und es gilt
für jede natürliche Zahl
,
wobei hier die senkrechten Striche nicht für die Betragsfunktion stehen,
sondern für die Mächtigkeit. Das ist der Grund, warum oben in der Einleitung
eine Gleichmächtigkeit zu
an Stelle von
erwähnt wurde. Letzteres wäre zwar auch richtig gewesen, aber die getroffene
Wahl passt besser zur Definition der natürlichen Zahlen. Danach hat eine Menge
die Mächtigkeit
,
wenn sie zu
gleichmächtig ist.
Durchschnitte, Vereinigungen und Produkte erblich endlicher Mengen sind
wieder erblich endlich. Die Menge aller erblich endlichen Mengen ist genau die
Stufe
der Von-Neumann-Hierarchie
der Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre.
Weitere Endlichkeitsbegriffe
Die Endlichkeit einer Menge lässt sich auch ordnungstheoretisch fassen. Hier ist insbesondere das auf Alfred Tarski zurückgehende Konzept der Tarski-Endlichkeit zu nennen.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 01.09. 2017