Elliptische Kurve
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In der Mathematik sind elliptische Kurven spezielle algebraische Kurven, auf denen geometrisch eine Addition definiert ist. Diese Addition wird in der Kryptographie zur Konstruktion sicherer Verschlüsselungsmethoden verwendet. Elliptische Kurven spielen aber auch in der reinen Mathematik eine wichtige Rolle. Historisch sind sie durch die Parametrisierung elliptischer Integrale entstanden als deren Umkehrfunktionen (elliptische Funktionen).
Eine elliptische Kurve ist eine glatte algebraische Kurve der Ordnung 3 in der projektiven Ebene. Dargestellt werden elliptische Kurven meist als Kurven in der affinen Ebene, sie besitzen aber noch einen zusätzlichen Punkt im Unendlichen.
Elliptische Kurven über dem Körper der reellen
Zahlen können als die Menge aller (affinen) Punkte
angesehen werden, die die Gleichung
erfüllen, zusammen mit einem sogenannten Punkt im Unendlichen (notiert als
oder
).
Die (reellen) Koeffizienten
und
müssen dabei die Bedingung erfüllen, dass für die Diskriminante
des kubischen Polynoms in
auf der rechten Seite
gilt, um Singularitäten auszuschließen (die Wurzeln
des Polynoms sind dann paarweise verschieden, die Kurve hat keine Doppelpunkte
oder andere Singularitäten).
Im Allgemeinen wird man sich bei der Betrachtung der angegebenen Gleichung aber nicht auf den Fall reeller Koeffizienten und Lösungen beschränken, sondern vielmehr den Fall betrachten, dass Koeffizienten und Lösungen aus dem Körper der komplexen Zahlen stammen. Ausführlich untersucht wurden auch elliptische Kurven über dem Körper der rationalen Zahlen, über endlichen Körpern und über p-adischen Körpern. Die Theorie der elliptischen Kurven verbindet daher sehr unterschiedliche Teilgebiete der Mathematik. Die Untersuchung elliptischer Kurven über den rationalen Zahlen oder endlichen Körpern ist Gegenstand der Zahlentheorie und ein Spezialfall der auch in höheren Dimensionen betrachteten Abelschen Varietäten. Ihre Untersuchung über den komplexen Zahlen ist ein klassisches Gebiet der Funktionentheorie.
Jede elliptische Kurve über den komplexen Zahlen kann mit Hilfe eines Gitters in der komplexen Zahlenebene als komplexer Torus dargestellt werden, was sich schon aus der doppelten Periodizität elliptischer Funktionen ergibt (siehe Weierstraßsche elliptische Funktion). Ihre Riemannsche Fläche ist topologisch ein Torus und über die zugehörige Aufteilung der komplexen Ebene durch ein Gitter eine abelsche Gruppe. Diese Gruppenstruktur überträgt sich auch auf elliptischen Kurven über den rationalen Zahlen und auf eine besondere Art von Addition für Punkte auf elliptischen Kurven (siehe unten). Der Mathematiker Andrew Wiles bewies im Jahr 1994 den Modularitätssatz, der besagt, dass alle elliptische Kurven über den rationalen Zahlen durch Modulformen parametrisiert werden. Aus diesem Satz kann der Beweis eines bekannten zahlentheoretischen Problems (Fermats letzter Satz) gefolgert werden.
Praktische Anwendung finden elliptische Kurven in modernen Verschlüsselungsverfahren (Elliptische-Kurven-Kryptosystem), die die oben erwähnte besondere Addition von Punkten auf elliptischen Kurven für die Definition von Einwegfunktionen verwendet. Weitere Anwendungen finden sich bei der Faktorisierung natürlicher Zahlen.
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Werden statt kubischer Polynome solche höheren als vierten Grades betrachtet, erhält man hyperelliptische Kurven (die höheres topologisches Geschlecht haben).
Geschichte
Die Theorie der elliptischen Kurven entwickelte sich zunächst im Kontext der
Funktionentheorie.
Bei verschiedenen geometrischen oder physikalischen
Problemen – so zum Beispiel bei der Bestimmung der Bogenlänge von Ellipsen –
treten elliptische
Integrale auf. Zu diesen Integralfunktionen
konnten Umkehrfunktionen
bestimmt werden. Diese meromorphen
Funktionen wurden aufgrund dieses Kontextes als elliptische
Funktionen bezeichnet (für deren Geschichte siehe dort). Wie weiter unten
dargestellt wird, kann man mittels elliptischer Funktionen auf eindeutige Weise
jeder elliptischen Kurve über dem Körper der komplexen
Zahlen
einen Torus
zuordnen. Auf diese Weise können dann die elliptischen Kurven klassifiziert
werden und aufgrund dieses Zusammenhangs haben sie ihren Namen erhalten.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts stehen arithmetische und zahlentheoretische Fragestellungen im Zentrum der Theorie. Es konnte gezeigt werden, dass elliptische Kurven sinnvoll auf allgemeinen Körpern definiert werden können und es wurde – wie zuvor schon beschrieben – gezeigt, dass eine elliptische Kurve als kommutative Gruppe interpretiert werden kann (was auf Henri Poincaré zurückgeht).
In den 1990er Jahren konnte Andrew Wiles nach Vorarbeiten von Gerhard Frey und anderen mittels der Theorie der elliptischen Kurven die Fermatsche Vermutung aus dem 17. Jahrhundert beweisen.
Affine und projektive Ebene
Der zweidimensionale Raum der -rationalen
projektiven Punkte ist definiert als
mit der Äquivalenzrelation
.
Punkte aus
werden üblicherweise als
notiert, um sie von Punkten im dreidimensionalen affinen
Raum zu unterscheiden.
Die projektive
Ebene
kann dargestellt werden als Vereinigung der Menge
mit der durch
erzeugten Hyperebene
von
:
Um projektive Kubiken in der affinen Ebene darzustellen, identifiziert man
dann für
den projektiven Punkt
mit dem affinen Punkt
.
Im Fall einer elliptischen Kurve hat die (projektive) Polynomgleichung genau
eine Lösung mit ,
nämlich den Punkt im Unendlichen
.
Definition
heißt elliptische Kurve über dem Körper
,
falls eine der folgenden (paarweise äquivalenten) Bedingungen erfüllt ist:
ist eine glatte projektive Kurve über
vom Geschlecht 1 mit einem Punkt
, dessen Koordinaten in
liegen.
ist eine glatte projektive Kubik über
mit einem Punkt
, dessen Koordinaten in
liegen.
ist eine glatte, durch eine Weierstraß-Gleichung
-
- gegebene projektive Kurve mit Koeffizienten
. Schreibt man
- so ist
gerade die Nullstellenmenge des homogenen Polynoms
. (Beachte: Der Punkt
erfüllt auf jeden Fall die Polynomgleichung, liegt also auf
.)
Fasst man
als affine Kurve auf, so erhält man eine affine Weierstraß-Gleichung
bzw. ein affines Polynom .
In diesem Fall ist
gerade die Menge der (affinen) Punkte, die die Gleichung erfüllen, zusammen mit
dem sogenannten „unendlich fernen Punkt“
,
auch als
geschrieben.
Isomorphe elliptische Kurven
Definition
Jede elliptische Kurve wird durch ein projektives Polynom
bzw. durch ein affines Polynom
beschrieben. Man nennt zwei elliptische Kurven
und
isomorph, wenn die Weierstraß-Gleichung von
aus der von
durch einen Koordinatenwechsel der Form
mit
entsteht. Die wichtigsten Eigenschaften elliptischer Kurven verändern sich
nicht, wenn ein solcher Koordinatenwechsel durchgeführt wird.
Kurze Weierstraß-Gleichung
Ist eine elliptische Kurve über einem Körper
mit Charakteristik
durch die Weierstraß-Gleichung
gegeben, so existiert ein Koordinatenwechsel, der diese Weierstraß-Gleichung in die Gleichung
transformiert. Diese nennt man eine kurze Weierstraß-Gleichung. Die durch diese kurze Weierstraß-Gleichung definierte elliptische Kurve ist zur ursprünglichen Kurve isomorph. Häufig geht man daher ohne Einschränkung davon aus, dass eine elliptische Kurve von vorneherein durch eine kurze Weierstraß-Gleichung gegeben ist.
Ein weiteres Resultat der Theorie der Weierstraß-Gleichungen ist, dass eine Gleichung der Form
genau dann eine glatte Kurve beschreibt, wenn die Diskriminante
des Polynoms
,
nicht verschwindet. Die Diskriminante ist proportional dem Produkt
mit den Wurzeln
des kubischen Polynoms und verschwindet nicht, wenn die Wurzeln paarweise
verschieden sind.
Beispiele
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und
sind elliptische Kurven über
, da
und
sind.
ist eine elliptische Kurve sowohl über
als auch über
, da die Diskriminante
ist. Über einem Körper mit Charakteristik
dagegen ist
und
singulär, also keine elliptische Kurve.
ist über jedem Körper mit Charakteristik ungleich
eine elliptische Kurve, da
ist.
Über den reellen Zahlen gibt die Diskriminante eine Information über die Form
der Kurve in der affinen Ebene. Für
besteht der Graph der elliptischen Kurve
aus zwei Komponenten (linke Abbildung), für
hingegen nur aus einer einzigen Komponente (rechte Abbildung).
Gruppenoperation
Elliptische Kurven haben die Besonderheit, dass sie bezüglich der in diesem Abschnitt beschriebenen punktweisen Addition kommutative Gruppen sind. Im ersten Unterabschnitt wird diese Addition geometrisch veranschaulicht, bevor sie dann in den folgenden Abschnitten weiter formalisiert wird.
Geometrische Interpretation
Geometrisch kann die Addition zweier Punkte einer elliptischen Kurve wie
folgt beschrieben werden: Der Punkt im Unendlichen ist das neutrale Element
.
Die Spiegelung eines rationalen Punktes
an der
-Achse
liefert wieder einen rationalen Punkt der Kurve, das Inverse
von
.
Die Gerade durch die rationalen Punkte
schneidet die Kurve in einem dritten Punkt, Spiegelung dieses Punktes an der
.
Im Fall einer Tangente an den Punkt
(also des Grenzfalles
auf der Kurve) erhält man mit dieser Konstruktion (Schnittpunkt der Tangente mit
der Kurve, dann Spiegelung) den Punkt
.
Lassen sich keine entsprechenden Schnittpunkte finden, wird der Punkt im
Unendlichen zuhilfe genommen, und man hat z.B. im Fall der Tangente ohne
zweiten Schnittpunkt:
.
Häufig wird der neutrale Punkt auch mit
bezeichnet.
Man kann zeigen, dass diese „Addition“ sowohl kommutativ als auch assoziativ ist, sodass sie tatsächlich die Gesetze einer abelschen Gruppe erfüllt. Zum Beweis des Assoziativgesetzes kann dabei der Satz von Cayley-Bacharach eingesetzt werden.
Sei nun
ein rationaler Punkt der elliptischen Kurve. Der Punkt
wird mit
bezeichnet, entsprechend definiert man
als k-fache Addition des Punktes
.
Ist
nicht der Punkt
,
kann auf diese Weise jeder rationale Punkt der Kurve
erreicht werden (d.h., zu jedem Punkt
auf der Kurve existiert eine natürliche
Zahl
mit
),
wenn man die richtigen Erzeugenden
der Gruppe kennt.
Die Aufgabe, aus gegebenen Punkten
diesen Wert
zu ermitteln, wird als Diskreter-Logarithmus-Problem
der elliptischen Kurven (kurz ECDLP)
bezeichnet. Es wird angenommen, dass das ECDLP (bei geeigneter Kurvenwahl)
schwer ist, d.h. nicht effizient gelöst werden kann. Damit bieten sich
elliptische Kurven an, um auf ihnen asymmetrische
Kryptosysteme zu realisieren (etwa einen Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch
oder ein Elgamal-Kryptosystem).
Addition zweier verschiedener Punkte
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Seien
und
die Komponenten der Punkte
und
.
Mit
wird das Ergebnis der Addition
bezeichnet. Dieser Punkt
hat also die Komponenten
.
Außerdem setze
.
Dann ist die Addition
durch
und
definiert.
Die beiden Punkte
und
dürfen nicht dieselbe
-Koordinate
besitzen, da es sonst nicht möglich ist, die Steigung
zu berechnen, da dann entweder
oder
gilt. Bei der Addition
erhält man
,
wodurch das Ergebnis als
(neutrales
Element) definiert ist. Dadurch ergibt sich auch, dass
und
zueinander invers
bezüglich der Punktaddition sind. Ist
,
handelt es sich um eine Punktverdoppelung.
Verdoppelung eines Punktes
Für die Punktverdoppelung (Addition eines Punktes zu sich selbst) eines
Punktes
unterscheidet man zwei Fälle.
Fall 1:
. Dabei wird
aus der Kurvengleichung (
) herangezogen.
Der einzige Unterschied zur Addition von zwei verschiedenen Punkten liegt in der Berechnung der Steigung.
Fall 2:
Wegen
ist klar erkennbar, dass
zu sich selbst invers
ist.
Rechenregeln für die „Addition“ von Punkten der Kurve
Analytische Beschreibung über die Koordinaten:
Seien
zwei verschiedene Punkte,
die Addition zweier Punkte und
das neutrale Element (auch Unendlichkeitspunkt genannt).
Es gelten folgende Regeln:
Skalare Multiplikation eines Punktes
Bei der skalaren Multiplikation
handelt es sich lediglich um die wiederholte Addition dieses Punktes.
Diese Multiplikation kann unter Zuhilfenahme eines angepassten Square-and-Multiply-Verfahrens effizient gelöst werden.
Bei einer elliptischen Kurve über dem endlichen
Körper
läuft die Punktaddition rechnerisch auf analoge Weise wie bei der Berechnung
über
,
jedoch werden die Koordinaten über
berechnet.
Elliptische Kurven über den komplexen Zahlen
Interpretiert man wie üblich die komplexen
Zahlen als Elemente der gaußschen
Zahlenebene, so stellen elliptische Kurven über den komplexen Zahlen eine zweidimensionale
Fläche dar, die in den vierdimensionalen
eingebettet ist. Obwohl sich solche Flächen der Anschauung entziehen, lassen
sich dennoch Aussagen über ihre Gestalt treffen, wie zum Beispiel über das Geschlecht
der Fläche, in diesem Fall (Torus) vom Geschlecht 1.
Komplexe Tori
Es sei
ein (vollständiges) Gitter
in der komplexen Zahlenebene
.
Die Faktorgruppe
ist eine eindimensionale abelsche
kompakte komplexe Liegruppe,
die als reelle Liegruppe isomorph zum Torus
ist. Für eine Veranschaulichung kann man Erzeuger
von
wählen; der Quotient
ergibt sich dann aus der Grundmasche
,
indem man jeweils gegenüberliegende Seiten verklebt.
Bezug zu ebenen Kubiken
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Ist
ein Gitter in der komplexen Zahlenebene, so definieren die zugehörige Weierstraßsche
℘-Funktion und ihre Ableitung eine Einbettung
,
deren Bild die nichtsinguläre Kubik
ist. Jede nichtsinguläre ebene Kubik ist isomorph zu einer Kubik, die auf diese Weise entsteht.
Das lässt sich durch die Abbildung rechts veranschaulichen. Die elliptische
Funktion ist über ihre Weierstraßform in einem Gitter
der komplexen Ebene definiert, da die Funktion doppeltperiodisch ist (Perioden
,
,
beides komplexe Zahlen,
für ein reelles
).
Die Ränder des Gitters werden identifiziert, was geometrisch einen Torus ergibt.
Durch die obige Abbildung wird das Gitter in die komplexe projektive Ebene
abgebildet und die Addition von Punkten im Quotientenraum (Torus)
überträgt sich als Gruppenhomomorphismus
auf die elliptische Kurve in der projektiven Ebene, was das oben erläuterte
„Additionsgesetz“ von Punkten auf der Kurve ergibt.
Punkte von endlicher Ordnung im Gitter heißen Torsionspunkte.
Ein Torsionspunkt -ter
Ordnung entspricht den Punkten
mit .
In der Abbildung ist der Fall
dargestellt. Bezüglich des oben definierten Additionsgesetzes für Punkte auf
elliptischen Kurven gilt für einen
-Torsionspunkt
.
Klassifikation
Zwei eindimensionale komplexe Tori
und
für Gitter
sind genau dann isomorph
(als komplexe Liegruppen), wenn die beiden Gitter ähnlich sind,
d.h. durch eine Drehstreckung auseinander hervorgehen. Jedes Gitter ist zu
einem Gitter der Form
ähnlich, wobei
ein Element der oberen
Halbebene
ist; sind
Erzeuger, so kann
als
oder
gewählt werden. Die verschiedenen Wahlen für Erzeuger entsprechen der Operation der Gruppe
auf der oberen Halbebene, die durch
gegeben ist (Modulgruppe).
Zwei Elemente
der oberen Halbebene definieren genau dann isomorphe elliptische Kurven
und
,
wenn
und
in derselben
-Bahn
liegen; die Menge der Isomorphieklassen elliptischer Kurven entspricht damit dem
Bahnenraum
dieser Raum wird von der
-Funktion, einer Modulfunktion,
bijektiv auf
abgebildet; dabei ist der Wert der
-Funktion
gleich der
-Invarianten
der oben angegebenen Kubik.
Elliptische Kurven über den rationalen Zahlen
Die Addition von Punkten elliptischer Kurven ermöglicht es, aus einfachen (geratenen) Lösungen einer kubischen Gleichung weitere Lösungen zu berechnen, die in der Regel weitaus größere Zähler und Nenner haben als die Ausgangslösungen (und deshalb kaum durch systematisches Probieren zu finden wären).
Zum Beispiel für die über
definierte elliptische Kurve
findet man durch Raten die Lösung
und daraus durch Addition auf der elliptischen Kurve die Lösung
sowie durch weitere Addition auf der elliptischen Kurve dann noch erheblich
„größere“ Lösungen. Das ergibt sich aus
für Punkte mit ganzzahligen Koordinaten auf elliptischen Kurven über
unter Verwendung der Koordinatenform des Additionsgesetzes (siehe oben). Dabei
ist
die für ganzzahlige Punkte durch
definierte Höhe.
Nach dem Satz
von Mordell-Weil ist
endlich erzeugt und es gilt
,
wobei
die Torsionsuntergruppen sind und
den Rang der elliptischen Kurve bezeichnet. Nach dem Satz von Lutz und Nagell
(Élisabeth Lutz, Trygve Nagell, Mitte der 1930er Jahre) gilt für die Punkte
endlicher Ordnung (also die Elemente der Torsionsuntergruppen), dass
und entweder
(dann ist
von der Ordnung 2) oder
,
das heißt,
teilt
(wobei
die Diskriminante ist). Das ermöglicht es, die Torsionsuntergruppen zu
berechnen.
Die möglichen Torsionsuntergruppen für elliptische Kurven über den rationalen
Zahlen wurden von Barry Mazur klassifiziert in einem schwierigen Beweis (Satz
von Mazur (Elliptische Kurven)). Danach kann bei einem Punkt der Ordnung
die Zahl
einen der Werte 1 bis 10 oder 12 annehmen.
Mit dem Satz von Lutz und Trygvell und dem von Mazur hat man einen
Algorithmus zur Bestimmung der Elemente der Torsionsgruppen
einer elliptischen Kurve
über den rationalen Zahlen:
- Man finde
mit der Diskriminante
der Kurve.
- Man bestimme die zugehörigen
aus der Gleichung der Kurve und hat so die Koordinaten von
.
- Man berechne
mit
(nach dem Satz von Mazur), ist
(wobei hier die Notation
für das neutrale Element verwendet wird), so hat man einen Torsionspunkt. Hat dagegen
keine ganzzahligen Koordinaten, gehört er nicht zu den Torsionspunkten.
Elliptische Kurven nehmen nach der Vermutung
von Mordell (Satz von Faltings, sie entsprechen dort dem Fall des
Geschlechts )
eine Sonderstellung ein, sie können unendlich viele (Rang ungleich null) oder
endlich viele rationale Lösungen (Torsionsuntergruppen) haben. Kurven mit
haben dagegen nur endlich viele Lösungen. Im Fall
gibt es keine oder unendlich viele Lösungen (zum Beispiel beim Kreis unendlich
viele pythagoreische
Tripel).
Die Theorie elliptischer Kurven über dem Körper der rationalen Zahlen ist ein
aktives Forschungsgebiet der Zahlentheorie (arithmetische algebraische
Geometrie) mit einigen berühmten offenen Vermutungen wie der Vermutung
von Birch und Swinnerton-Dyer, die eine Aussage über das analytische
Verhalten die Hasse-Weil-L-Funktion
einer elliptischen Kurve macht, in deren Definition die Anzahl der Punkte der
Kurve über endlichen Körpern einfließt. Nach der Vermutung in ihrer einfachsten
Form ist der Rang der elliptischen Kurve gleich der Ordnung der Nullstelle von
bei
.
Elliptische Kurven über endlichen Körpern
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Statt über den rationalen Zahlen kann man elliptische Kurven auch über endlichen
Körpern betrachten. In diesem Falle besteht die Ebene, genauer gesagt die projektive Ebene, in
der die elliptische Kurve liegt, nur noch aus endlich vielen Punkten. Daher kann
auch die elliptische Kurve selbst nur endlich viele Elemente enthalten, was
viele Betrachtungen vereinfachen kann. Für die Anzahl
der Punkte einer elliptischen Kurve
über einem Körper mit
Elementen zeigte Helmut Hasse (1936) die Abschätzung (Riemannsche Vermutung)
und bewies damit eine Vermutung aus der Dissertation von Emil Artin (1924).
Allgemeiner folgt aus den Weil-Vermutungen
(einer Reihe von Vermutungen zur Hasse-Weil-Zetafunktion, bewiesen in den 1960er
und 1970er Jahren) für die Anzahl
der Punkte von
über einer Körpererweiterung mit
Elementen die Gleichung
,
wobei
und
die beiden Nullstellen des charakteristischen
Polynoms des Frobeniushomomorphismus
auf der elliptischen Kurve über
sind. René Schoof (1985) entwickelte den ersten effizienten Algorithmus zur Berechnung
von
.
Es folgten Verbesserungen von A. O. L. Atkin
(1992) und Noam Elkies (1990).
Elliptische Kurven über endlichen Körpern werden z.B. in der Kryptographie (Elliptische-Kurven-Kryptosystem) eingesetzt.
Die (bisher noch unbewiesene) Vermutung von Birch und Swinnerton-Dyer versucht, Aussagen über gewisse Eigenschaften elliptischer Kurven über den rationalen Zahlen zu erhalten, indem entsprechende Eigenschaften elliptischer Kurven über endlichen Körpern (sogenannte „reduzierte elliptische Kurven“) untersucht werden.
Hasse-Weil-Zetafunktion und L-Funktion für elliptische Kurven
Die elliptische Kurve
über
sei durch die Gleichung
mit ganzzahligen Koeffizienten
gegeben. Die Reduktion der Koeffizienten modulo einer
Primzahl
definiert eine elliptische Kurve über dem endlichen
Körper
(mit Ausnahme einer endlichen Menge von Primzahlen
,
für welche die reduzierte Kurve Singularitäten
aufweist und deshalb nicht elliptisch ist; in diesem Fall sagt man,
habe schlechte Reduktion bei
).
Die Zetafunktion einer elliptischen Kurve über einem endlichen Körper ist die formale Potenzreihe
Sie ist eine rationale Funktion der Form
(Diese Gleichung definiert den Koeffizienten ,
falls
gute Reduktion bei
hat, die Definition im Fall schlechter Reduktion ist eine andere.)
Die -Funktion
von
über
speichert diese Information für alle Primzahlen
.
Sie ist definiert durch
mit ,
falls
gute Reduktion bei
hat, und
sonst.
Das Produkt konvergiert
für .
Helmut Hasse vermutete, dass die
-Funktion
eine analytische
Fortsetzung auf die gesamte komplexe Ebene besitzt
und eine Funktionalgleichung
mit einem Zusammenhang zwischen
und
erfüllt. Hasses Vermutung wurde 1999 als Konsequenz des Beweises des Modularitätssatzes
bewiesen. Dieser besagt, dass jede elliptische Kurve über
eine modulare
Kurve ist, und für die
-Funktionen
modularer Kurven ist die analytische Fortsetzbarkeit bekannt.
Anwendung in der Kryptographie
Der US-Auslandsgeheimdienst NSA empfahl im Januar 2009, Verschlüsselung im Internet bis 2020 von RSA auf ECC (Elliptic Curve Cryptography) umzustellen.
ECC ist ein Public-Key-Kryptosystem (oder asymmetrisches Kryptosystem), bei dem im Gegensatz zu einem symmetrischen Kryptosystem die kommunizierenden Parteien keinen gemeinsamen geheimen Schlüssel kennen müssen. Asymmetrische Kryptosysteme allgemein arbeiten mit Falltürfunktionen, also Funktionen, die leicht zu berechnen, aber ohne ein Geheimnis (die „Falltür“) praktisch unmöglich zu invertieren sind.
Die Verschlüsselung mittels elliptischer Kurven funktioniert im Prinzip so,
dass man die Elemente der zu verschlüsselnden Nachricht (d.h. die
einzelnen Bits) auf irgendeine Weise den Punkten einer (festen) elliptischen
Kurve zuordnet und dann die Verschlüsselungsfunktion
mit einer (festen) natürlichen Zahl
anwendet. Damit dieses Verfahren sicher ist, muss die Entschlüsselungsfunktion
schwer zu berechnen sein.
Da das Problem des diskreten
Logarithmus in elliptischen Kurven (ECDLP) deutlich schwerer ist als die
Berechnung des diskreten Logarithmus in endlichen Körpern oder die Faktorisierung ganzer
Zahlen, kommen Kryptosysteme, die auf elliptischen Kurven beruhen – bei
vergleichbarer Sicherheit – mit erheblich kürzeren Schlüsseln aus als die
herkömmlichen asymmetrischen Kryptoverfahren, wie z.B. das RSA-Kryptosystem. Die
derzeit schnellsten Algorithmen sind der Babystep-Giantstep-Algorithmus
und die Pollard-Rho-Methode,
deren Laufzeit bei
liegt, wobei
die Bitlänge der Größe des zugrundeliegenden Körpers ist.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 31.07. 2022