Euler-Gleichungen (Strömungsmechanik)

Die Euler-Gleichungen (oder auch eulerschen Gleichungen) der Strömungsmechanik sind ein von Leonhard Euler entwickeltes mathematisches Modell zur Beschreibung der Strömung von reibungsfreien elastischen Fluiden. Im engeren Sinne ist mit Euler-Gleichungen die Impulsgleichung für reibungsfreie Strömungen gemeint. Diese wird manchmal auch als Eulersche Gleichung bezeichnet. Im weiteren Sinne wird diese um die Kontinuitätsgleichung und die Energiegleichung erweitert und bildet dann ein System von nichtlinearen partiellen Differentialgleichungen erster Ordnung.
Die zugehörigen Impulsgleichungen sind in eulerscher Betrachtungsweise formuliert und lauten:
Der Vektor
ist das Geschwindigkeitsfeld im Fluid mit Komponenten
in Richtung der kartesischen Koordinaten
,
die Dichte,
der Druck
und
eine äußere volumenverteilte Beschleunigung (z.B. Schwerebeschleunigung).
Der Vektorgradient
entspricht dem Produkt aus dem Geschwindigkeitsgradienten
und der Geschwindigkeit:
Der Gradient des Drucks entspricht
.
Alle Variablen in den Euler-Gleichungen sind im Allgemeinen sowohl vom Ort als
auch von der Zeit abhängig. Die linke Vektorgleichung ist die koordinatenfreie
Version, die in beliebigen Koordinatensystemen gilt, und die rechten
Komponentengleichungen ergeben sich im Sonderfall des kartesischen
Koordinatensystems.
Die Navier-Stokes-Gleichungen beinhalten diese Gleichungen als den Sonderfall, in dem die innere Reibung (Viskosität) und die Wärmeleitung des Fluids vernachlässigt werden. Anwendung finden die Euler-Gleichungen bei laminaren Strömungen, wie sie in technischen Rohrströmungen oder in der Flugzeugentwicklung in guter Näherung angenommen werden können. Bei Inkompressibilität lässt sich aus den Euler-Gleichungen die Bernoulli-Gleichung ableiten und bei zusätzlich wirbelfreier Strömung ergeben sich Potentialströmungen.
Herleitung
Die Euler-Gleichungen können auf verschiedene Weise hergeleitet werden: Ein verbreiteter Ansatz wendet das Transporttheorem von Reynolds auf das zweite newtonsche Axiom an. Das Transporttheorem beschreibt die zeitliche Änderung einer physikalischen Größe in einem bewegten Kontrollvolumen.
Ein weiterer Ansatz geht von der Boltzmann-Gleichung aus: Der Kollisionsoperator wird dort mit drei möglichen Termen multipliziert, den sog. Kollisionsinvarianten. Nach Integration über die Teilchengeschwindigkeit entstehen Kontinuitätsgleichung, Impulsgleichung und Energiebilanz. Schließlich wird eine Skalierung für große Zeit- und Raumabmessungen durchgeführt (Hydrodynamische Limites), und das Ergebnis sind die erweiterten Euler-Gleichungen.
Formulierung
Impulsgleichung
Der wesentliche Teil der Euler-Gleichungen ist das erste Cauchy-Euler’sche Bewegungsgesetz, das dem Impulssatz entspricht:
Auf der linken Seite der Gleichung steht in den eckigen Klammern die substanzielle Beschleunigung, bestehend aus der lokalen und der konvektiven Beschleunigung:
Zusätzlich zu den eingangs beschriebenen Variablen tritt der Cauchy’sche Spannungstensor
und der Divergenzoperator
auf. Innere Reibung, die sich in Viskosität
und damit in Schubspannungen zeigen würde, wird in elastischen Fluiden
vernachlässigt, weshalb der Spannungstensor dort Diagonalgestalt hat. Des
Weiteren ist jedes Fluid auch isotrop.
Wird nun ein Fluid gedanklich in zwei Teile zerschnitten, dann bilden sich an
den Schnittflächen Schnittspannungen aus, die senkrecht zur Schnittfläche sind,
denn der Druck in einem elastischen Fluid wirkt immer senkrecht auf begrenzende
Flächen. In einer isotropen Flüssigkeit muss die Normalspannung für alle
Orientierungen der Schnittfläche dieselbe sein weshalb der Spannungstensor
mithin ein Vielfaches des Einheitstensors
ist:
.
Ein Spannungstensor dieser Form wird auch Drucktensor genannt, denn
der Proportionalitätsfaktor
ist der Druck. Ausführung der Ableitung zeigt:
.
Dies in das Bewegungsgesetz eingesetzt ergibt die Euler-Gleichungen
In kartesischen Koordinaten lautet diese Gleichung im zweidimensionalen Fall
für
und
vollständig ausgeschrieben:


In Zylinderkoordinaten schreiben sich die Gleichungen
Der Operator
bildet die substantielle
Ableitung und die radiale Koordinate wurde mit
statt mit
bezeichnet, um eine Verwechselung mit der Dichte zu vermeiden. In Kugelkoordinaten
ergibt sich:
Flussformulierung
Obige Bewegungsgleichung ist bei vernachlässigbarer Beschleunigung >
auf Grund der Kontinuitätsgleichung
äquivalent zur Bilanzgleichung der Impulsdichte
für ideale
Fluide:
oder in alternativer Schreibweise
Das Rechenzeichen „“
bildet das dyadische
Produkt. Der symmetrische
Tensor
ist der konvektive Transport der Impulsdichte, seine Divergenz
ist der konvektive Impulsfluss.
Integriert man über ein ortsfestes Volumen
und wendet den Gaußschen
Integralsatz an, so erhält man:
Hierbei ist
das Volumen mit der Oberfläche
und
ist der Normaleneinheitsvektor
auf dem Flächenelement
.
Diese Formulierung der Gleichung beweist die Erhaltung des
Impulses bei Einführung des statischen Druckes
.
Der Druck ist eine Oberflächenkraft
und nimmt Einfluss auf den Impuls durch Austausch mit der Umgebung. Kräfte
werden nur senkrecht zur Oberfläche übertragen, es treten keine Reibungskräfte
auf.
Umgekehrt folgen die Euler-Gleichungen aus der Impulsbilanz an beliebigen,
hinreichend glatt berandeten Volumina ,
wenn man annimmt, dass es einen hydrostatischen Druck gibt und nur dieser Kräfte
auf
(und zwar über die Oberfläche und nur in Normalenrichtung) überträgt –
vorausgesetzt die auftretenden Funktionen sind hinreichend glatt, um den
Gaußschen Integralsatz anwenden zu können.
Vollständiges Gleichungssystem
Obige Impulsgleichung stellt (selbst mit passenden Rand-
und Anfangsbedingungen)
kein geschlossenes System dar. Intuitiv sieht man dies bereits, da man im -Dimensionalen
nur
Differentialgleichungen für
unbekannte Funktionen (Geschwindigkeit und Druck) hat. Um das System zu
schließen, ist noch mindestens eine weitere Gleichung nötig.
Inkompressibler Fall
Die Annahme der Inkompressibilität ist für Flüssigkeiten bei moderaten
Drücken und für Gaströmungen weit unterhalb der Schallgeschwindigkeit eine
häufig sinnvolle Näherung. Inkompressible
Fluide sind dichtebeständig ()
und das Gleichungssystem wird durch Hinzunahme der Massenerhaltung in Form der
Kontinuitätsgleichung
geschlossen. Die Lösung der Gleichungen vereinfacht sich dadurch, dass sich der Druck durch Bildung der Rotation aus der Euler-Gleichung eliminieren lässt:
Hier wurde die Grassmann-Entwicklung [F 1] eingesetzt und ausgenutzt, dass Gradientenfelder immer rotationsfrei sind.
Der Druck berechnet sich bei Inkompressibilität nicht aus einer
Zustandsgleichung der Form >
sondern allein aus der Impulsbilanz in Form der Euler-Gleichung und den
Randbedingungen, d.h. aus dem bereits berechneten Geschwindigkeitsfeld.
Anwendung der Divergenz auf die Euler-Gleichung liefert die Bestimmungsgleichung
für den Druck[F
2]:
Der Operator
berechnet die Spur
und das Produkt der Geschwindigkeitsgradienten wird mit dem Tensorprodukt „
“
gebildet. In kartesischen Koordinaten entwickelt sich:
Kompressibler Fall
Bei kompressiblen Fluiden und insbesondere, wenn die Temperatur als weitere Unbekannte eine Rolle spielt, benötigt man außerdem die Energieerhaltung und Zustandsgleichungen (d.h. konstitutive Gleichungen) des zu modellierenden Fluids. Im dreidimensionalen Fall ergeben sich so die fünf gekoppelten Differentialgleichungen
wobei
der Vektor der Erhaltungsvariablen ist und der Fluss
mit der Enthalpie
durch folgende Ausdrücke gegeben ist:
Die erste Gleichung in diesem System ist die Kontinuitätsgleichung für den kompressiblen Fall
die zweite bis vierte Gleichung sind die Impulsgleichungen (Euler-Gleichungen
im engeren Sinn, siehe oben) und die letzte Gleichung ist die Energiebilanz.
Zusammen mit einer thermischen Zustandsgleichung, welche Druck ,
Temperatur
und Dichte
miteinander verknüpft, sowie einer kalorischen Zustandsgleichung, welche
Temperatur
,
Druck
und Enthalpie
verknüpft, erhält man ein formal geschlossenes Gleichungssystem, um die sieben
unbekannten Größen Geschwindigkeit
,
und
,
Druck
,
Dichte
,
Temperatur
und Enthalpie
zu berechnen. In der Praxis wird oft ein perfektes
Gas-Modell verwendet, d.h. ein ideales
Gas mit konstanter spezifischer
Wärmekapazität.
In diesem Modell werden Wärmeleitung und innere Reibung vernachlässigt. Berücksichtigt man auch Reibungs- und gegebenenfalls Wärmeleitungseffekte, so erhält man an Stelle der Euler-Gleichungen die Navier-Stokes-Gleichungen für kompressible Fluide.
Randbedingungen
An festen Wänden wird als Bedingung gesetzt, dass die Geschwindigkeit in Normalenrichtung
null ist
so dass das Fluid nicht durch die Wand hindurchströmen kann. Auf einer beliebig,
zeitabhängig geformten Fläche,
die durch eine Funktion
beschrieben wird und deren Normale dann
ist, wird
für alle
auf dem Rand des Fluides gesetzt. An die Tangentialkomponente
der Geschwindigkeit wird hier wegen der angenommenen Reibungsfreiheit keine
Bedingung gestellt, was im Gegensatz zu den Navier-Stokes-Gleichungen ist, bei
denen die No-Slip-Bedingung
gilt.
Außerdem können Druckrandbedingungen, wie an der freien Oberfläche eines Gewässers, auftreten. Weil Druck nur auf materielle Teilchen ausgeübt werden kann, ist eine solche Oberfläche eine materielle Fläche, deren substantielle Zeitableitung daher verschwindet und die Randbedingung lautet dann:
für alle
auf dem Rand des Fluides, der durch die Funktion
beschrieben wird und auf dem der Druck
vorgegeben ist. Die Normalkomponente der Geschwindigkeit verschwindet auf
solchen Flächen im Allgemeinen nicht, so dass sie von der Strömung mitgenommen
werden, und die Bestimmung der Fläche gehört dann mit zum Problem. Zumeist, vor allem im technischen Bereich wie z.B. am Auslass
eines durchströmten Rohres, ist die Fläche
bekannt, was die Aufgabenstellung erheblich vereinfacht.
Mathematische Eigenschaften
Die Euler-Gleichungen gehören zur Klasse der nichtlinearen hyperbolischen
Erhaltungsgleichungen. Damit treten in der Regel nach endlicher Zeit auch bei
glatten Anfangsdaten Unstetigkeiten auf, etwa Schocks
(Verdichtungsstöße). Unter starken Voraussetzungen existieren im relevanten Fall
globale glatte Lösungen, etwa dann, wenn die Lösung sich in einer Art
Verdünnungswelle fortbewegt. Im stationären Fall ist die Gleichung je nach Mach-Zahl
elliptisch oder hyperbolisch. Bei einer transsonischen
Strömung treten dann sowohl Unterschall als auch Überschallgebiete auf, und
die Gleichung hat gemischten Charakter.
Die Eigenwerte der Gleichungen sind die Geschwindigkeit in Normalenrichtung
(mit Vielfachheit der Dimension) und diese plus minus die Schallgeschwindigkeit,
.
Damit sind die Euler-Gleichungen unter Verwendung der idealen Gasgleichung als
Druckfunktion im Eindimensionalen sogar strikt hyperbolisch, so dass es für
diesen Fall brauchbare Existenz- und Eindeutigkeitsresultate gibt. Im
Mehrdimensionalen sind sie aufgrund des mehrfachen Eigenwerts nicht mehr strikt
hyperbolisch. Damit ist die mathematische Lösung extrem schwierig. Hierbei dreht
es sich vor allem um das Bestimmen physikalisch sinnvoller schwacher
Lösungen, also solcher, die sich als Lösungen der Navier-Stokes-Gleichungen
mit verschwindender Viskosität interpretieren lassen.
Neben den oben erwähnten Unterschieden bei den Randbedingungen und im Hinblick auf Grenzschichtbildung, ist das Fehlen von Turbulenz ein wesentlicher Unterschied zwischen den Euler- und den Navier-Stokes-Gleichungen.
Die Euler-Gleichungen sind rotationsinvariant. Darüber hinaus sind die
Flussfunktionen homogen, es gilt also .
Lars Onsager vermutete 1949, dass sich schon bei der Eulergleichung Turbulenz-Phänomene zeigen, obwohl dort keine innere Reibung (Viskosität) vorhanden ist wie bei der Navier-Stokes-Gleichung. Speziell stellte er die Vermutung auf, dass die schwachen Lösungen der dreidimensionalen inkompressiblen Eulergleichung beim Exponenten der Hölder-Stetigkeit von einem Drittel einen Verhaltenswechsel zeigen: unterhalb gibt es Lösungen mit anomaler Dissipation der (kinetischen) Energie (Verletzung der Energieerhaltung), oberhalb nicht. Die Vermutung wurde nach Vorarbeiten einer Reihe von Mathematikern 2017 von Philip Isett bewiesen.
Numerische Lösung
Da die Euler-Gleichungen Erhaltungsgleichungen darstellen, werden sie in der Regel mit Hilfe von Finite-Volumen-Verfahren gelöst. Umgekehrt waren die Bemühungen aus dem Bereich der Aerodynamik seit den 1950ern, die Euler-Gleichungen numerisch zu simulieren, treibende Kräfte bei der Entwicklung von Finite-Volumen-Verfahren. Da im Gegensatz zu den Navier-Stokes-Gleichungen keine Grenzschicht berücksichtigt werden muss, kann die Simulation auf vergleichsweise groben Rechengittern passieren. Die zentrale Schwierigkeit stellt die Behandlung des Euler-Flusses dar, der üblicherweise mit Hilfe von approximativen Riemann-Lösern behandelt wird. Diese liefern eine Näherung an die Lösung von Riemann-Problemen entlang von Zellkanten. Das Riemann-Problem der Euler-Gleichungen ist sogar exakt lösbar, allerdings ist die Berechnung dieser Lösung extrem aufwändig. Seit den 1980ern wurden deswegen zahlreiche approximative Löser entwickelt, angefangen mit dem Roe-Löser bis hin zur AUSM-Familie in den 1990ern.
Bei der Zeitintegration ist die CFL-Bedingung zu
beachten. Gerade im Bereich von Machzahlen nahe null oder eins werden die
Gleichungen aufgrund der unterschiedlich Eigenwertskalen sehr steif, was den
Einsatz impliziter Zeitintegrationsverfahren notwendig macht: die CFL-Bedingung
orientiert sich am größten Eigenwert (),
während die für die Simulation relevanten Teile der Strömung sich mit
bewegen. Ein explizites Verfahren bräuchte damit in den meisten Fällen
inakzeptabel viele Zeitschritte.
Die Lösung dabei auftretender nichtlinearer Gleichungssysteme erfolgt dann entweder mit Hilfe von vorkonditionierten Newton- Krylow-Verfahren oder mit speziellen nichtlinearen Mehrgitter-Verfahren.
Spezialfälle
Aus den Euler-Gleichungen können eine Reihe gasdynamischer Grundgleichungen abgeleitet werden. Dazu gehören die eingangs erwähnte Bernoulli’sche Energiegleichung und die Potentialströmung, denen eigene Artikel gewidmet sind. Im Folgenden sollen die Wellengleichungen der linearen Akustik, die Erhaltung der kinetischen Energie der Fluidelemente in einem festen Volumen und die Stromfunktion in ebenen, dichtebeständigen und stationären Strömungen vorgestellt werden.
Wellengleichungen der linearen Akustik
Gegeben sei ein ruhendes, im Gleichgewicht befindliches Gas, in dem also das
Geschwindigkeitsfeld, die Dichte, der Druck und die Temperatur räumlich und
zeitlich konstant sind. Dies bezeichne den Grundzustand des Gases. Betrachtet
werden Größen ,
deren konstantem Grundzustand
kleine Störungen
überlagert werden, deren örtlichen Ableitungen ebenfalls klein seien. Die
Störungen seien zudem so klein und schnell, dass die Wärmeflüsse ebenfalls
vernachlässigt werden können („adiabatische Prozesse“).
Dann lautet die Massenbilanz
an der Stelle
:
|
|
(I) |
|
Die Euler-Gleichung nimmt die Form
|
|
(II) |
|
an, denn die quadratische konvektive Beschleunigung kann gegenüber der
lokalen Beschleunigung vernachlässigt werden. Partielle Zeitableitung der
Massenbilanz (I) und Subtraktion der mit
multiplizierten Divergenz der Euler-Gleichung (II) liefert bei divergenzfreier
Schwerebeschleunigung (
):
In einem idealen Gas ist die Druckänderung unter den getroffenen
Voraussetzungen proportional zur Änderung der Dichte, ,
und so entstehen die Wellengleichungen
der linearen Akustik:
Die Konstante
ist die Schallgeschwindigkeit
und
ist der Laplace-Operator.
Energieerhaltung
In einem konservativen Schwerefeld bleibt in einem vollständig mit einem inkompressiblen Fluid ausgefüllten, festen Volumen die kinetische Energie der Fluidelemente in der Summe konstant. Das Fluid kann nicht zur Ruhe kommen, weil
- in den Euler-Gleichungen kein Dissipationsmechanismus in Form von innerer Reibung (Viskosität) oder Reibung an den Wänden vorhanden ist,
- ein Umsatz der kinetischen Energie in Lageenergie wegen des vollständig gefüllten Volumens und der konstanten Dichte in der Summe nicht möglich ist und weil
- die kinetische Energie wegen der Inkompressibilität keine Kompressionsarbeit leisten kann.
Beweis |
Um das nachzuweisen, ist zunächst festzustellen, dass in einem
inkompressiblen Fluid die Divergenz der Geschwindigkeit verschwindet und
die Dichte konstant ist. Damit lauten die Euler-Gleichungen in einem
konservativen Schwerefeld mit Der aufgesetzte Punkt bezeichnet die substantielle Zeitableitung. Von der gesamten kinetischen Energie im festen Volumen Der letzte Term integriert die Leistung des Drucks und des Schwerefelds, die gleich der Änderung der kinetischen Energie ist. In einem inkompressiblen Fluid gilt wegen der Produktregel: Das bedeutet, dass wegen |
Ebene und stationäre Strömung eines inkompressiblen Fluides
Betrachtet wird eine in der x-y-Ebene stattfindende, stationäre Strömung. Die
Bedingung
für die Inkompressibilität lautet dann in kartesischen Koordinaten
und wird identisch erfüllt, wenn sich die Geschwindigkeitskomponenten aus den Ableitungen einer skalaren Funktion gemäß
berechnen. Die Funktion
wird Stromfunktion
genannt. Entlang einer Stromlinie ist der Wert der Stromfunktion konstant, so
dass ihre Höhenlinien Stromlinien darstellen. In der Umgebung von Extrempunkten der
Stromfunktion sind ihre Höhenlinien geschlossene Kurven. Ein Maximum der
Stromfunktion wird gegen den Uhrzeigersinn, ein Minimum im Uhrzeigersinn
umströmt.
Siehe auch
Literatur
- L. D. Landau, E. M. Lifschitz: Lehrbuch der theoretischen Physik, Band VI Hydrodynamik. Akademie Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-05-500070-6.
- Ralf Greve: Kontinuumsmechanik. Springer, 2003, ISBN 3-540-00760-1.
- M. Bestehorn: Hydrodynamik und Strukturbildung. Springer, 2006, ISBN 978-3-540-33796-6.
Fußnoten
- ↑
wobei
das Kreuzprodukt bezeichnet.
- ↑
Ausgenutzt wird die Produktregel
, wobei hier
ist. Der Operator Sp berechnet die Spur. Die Identität
gilt für alle Vektorfelder
. In der Literatur kommen andere Definitionen des Divergenzoperators für Tensoren vor, die sich durch die Transposition ihres Argumentes von der hier benutzten unterscheidet. Abweichende Formeln bei der Herleitung sind in der Literatur daher nicht auszuschließen.



© biancahoegel.de
Datum der letzten Änderung: Jena, den: 24.02. 2021