Standardbasis
Als Standardbasis, natürliche Basis, Einheitsbasis oder kanonische Basis bezeichnet man im mathematischen Teilgebiet der Linearen Algebra eine spezielle Basis, die in gewissen Vektorräumen bereits aufgrund ihrer Konstruktion unter allen möglichen Basen ausgezeichnet ist.
Basis allgemein
Allgemein ist eine Basis eines Vektorraums eine Familie von Vektoren mit der Eigenschaft, dass sich jeder Vektor des Raumes eindeutig als endliche Linearkombination dieser darstellen lässt. Die Koeffizienten dieser Linearkombination heißen die Koordinaten des Vektors bezüglich dieser Basis. Ein Element der Basis heißt Basisvektor.
Jeder Vektorraum hat eine Basis, im Allgemeinen sogar zahlreiche Basen, unter denen jedoch keine ausgezeichnet ist.
Beispiele
- Die Parallelverschiebungen der Anschauungsebene bilden einen Vektorraum (siehe Euklidischer Raum) der Dimension zwei. Es ist jedoch keine Basis ausgezeichnet. Eine mögliche Basis bestünde etwa aus der „Verschiebung um eine Einheit nach rechts“ und der „Verschiebung um eine Einheit nach oben“. Hierbei sind „Einheit“, „rechts“ und „oben“ aber Konventionen bzw. anschauungsabhängig.
- Diejenigen reellwertigen Funktionen
, die zweimal differenzierbar sind und für alle
die Gleichung
erfüllen, bilden einen reellen Vektorraum
der Dimension zwei. Eine mögliche Basis wird von der Sinus- sowie der Cosinus-Funktion gebildet. Diese Basis zu wählen, mag zwar naheliegen, sie ist jedoch nicht besonders vor anderen Auswahlen ausgezeichnet.
Standardbasis in den Standardräumen
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Die meist als erstes eingeführten Vektorräume sind die Standardräume
mit
.
Elemente des
sind alle
-Tupel reeller Zahlen. Man kann
unter allen Basen des
diejenige auszeichnen, bezüglich der die Koordinaten eines Vektors genau mit
seinen Tupel-Komponenten übereinstimmen. Diese Basis besteht also aus
wobei
und wird als die Standardbasis des
bezeichnet.
Dasselbe gilt für den Vektorraum
über einem beliebigen Körper
,
das heißt auch hier gibt es die Standard-Basisvektoren
.
Beispiel
Die Standardbasis des
besteht aus
und
.
Die beiden oben als Beispiel aufgeführten Vektorräume sind zwar isomorph
zu
,
besitzen jedoch keine Standardbasis. Infolgedessen ist auch unter den
Isomorphismen zwischen diesen Räumen und
keiner ausgezeichnet.
Bezeichnung
Die Bezeichnung
für die Standard-Basisvektoren ist weit verbreitet. Die drei
Standard-Basisvektoren des dreidimensionalen Vektorraums
werden in den angewandten Naturwissenschaften jedoch manchmal mit
bezeichnet:
Weitere Eigenschaften
Der
hat über die Vektorraum-Eigenschaft hinaus noch weitere Eigenschaften. Auch
hinsichtlich dieser erfüllen die Standard-Basisvektoren oft besondere
Bedingungen. So ist die Standardbasis eine Orthonormalbasis
bezüglich des Standardskalarprodukts.
Standardbasis im Matrizenraum
Auch die Menge der Matrizen
über einem Körper
bildet mit der Matrizenaddition
und der Skalarmultiplikation
einen Vektorraum. Die Standardbasis in diesem Matrizenraum
wird durch die Standardmatrizen
gebildet, bei denen genau ein Eintrag gleich eins und alle anderen Einträge
gleich null sind. Beispielsweise bilden die vier Matrizen
die Standardbasis des Raums der -Matrizen.
Standardbasis in unendlichdimensionalen Räumen
Ist
ein Körper und
eine beliebige (insb. möglicherweise unendliche) Menge, so bilden die endlichen
formalen Linearkombinationen von Elementen aus
einen Vektorraum. Dann ist
selbst Basis dieses Vektorraumes und wird als dessen Standardbasis bezeichnet.
Anstelle formaler Linearkombinationen betrachtet man auch alternativ den
Vektorraum derjenigen Abbildungen
mit der Eigenschaft, dass
für fast
alle
gilt. Zu
sei
die durch
gegebene Abbildung .
Dann bildet die Familie
eine Basis des Vektorraums, die in diesem Fall ebenfalls als die Standardbasis
bezeichnet wird.
Der Vektorraum aller Abbildungen
besitzt hingegen, sofern
unendlich ist, keine Standardbasis.
Auch Polynomringe über Körpern
sind Vektorräume, in denen eine Basis bereits unmittelbar aufgrund der
Konstruktion ausgezeichnet ist. So sind die Elemente des Polynomringes
definitionsgemäß die endlichen Linearkombinationen der Monome
usw., die demnach eine Basis – die Standardbasis – von
bilden.
Zusammenhang mit universellen Eigenschaften
Der Begriff kanonisch wird allgemein bei Konstruktionen über eine universelle Eigenschaft verwendet. So ergibt sich auch ein Zusammenhang zwischen Standardbasen und folgender Konstruktion:
Sei
ein Körper und
eine beliebige Menge. Gesucht ist ein
-Vektorraum
zusammen mit einer Abbildung
in dessen zugrunde liegende Menge, so dass zu jedem
-Vektorraum
und jeder Abbildung
genau eine lineare
Abbildung
existiert mit
.
In solch einem Paar
wird dann
als kanonische Abbildung oder universelle
Lösung von
bezüglich des Vergissfunktors,
der jedem
-Vektorraum
die zugrundeliegende Menge zuordnet, bezeichnet.
Die oben angegebenen Vektorräume mit Standardbasis haben genau diese
universelle Eigenschaft. Das Bild von
unter der kanonischen Abbildung sind genau die Vektoren der kanonischen Basis
bzw. die kanonische Abbildung als Familie aufgefasst ist die kanonische
Basis.
Daraus, dass stets eine solche universelle Lösung existiert, folgt bereits,
dass eine Abbildung, die jeder Menge
eine solche universelle Lösung
und jedem
ein solches
zuordnet, ein Funktor
ist, der linksadjungiert
zum Vergissfunktor ist. Ein solcher Funktor heißt freier
Funktor.
Literatur
- Kowalsky und Michler: Lineare Algebra, Gruyter, ISBN 978-3110179637.
- Albrecht Beutelspacher: „Das ist o.B.d.A. trivial!“ 9. aktualisierte Auflage, Vieweg + Teubner, Braunschweig und Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8348-0771-7, s.v. „Kanonisch“
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 29.07. 2022