Symplektische Mannigfaltigkeit
Symplektische Mannigfaltigkeiten sind die zentralen Objekte der symplektischen Geometrie, eines Teilgebiets der Differentialgeometrie. Die symplektischen Mannigfaltigkeiten haben einen sehr starken Bezug zur theoretischen Physik.
Definition
Eine symplektische Mannigfaltigkeit ist eine glatte
Mannigfaltigkeit
zusammen mit einer symplektischen Form
,
das heißt einer globalen, glatten und geschlossenen
2-Form,
die punktweise nicht ausgeartet ist (siehe auch symplektischer
Raum). „Geschlossen“ bedeutet, dass die äußere
Ableitung der Differentialform verschwindet,
.[1]
Symplektische Mannigfaltigkeiten haben immer eine geradzahlige Dimension, da antisymmetrische Matrizen in ungeraden Dimensionen nicht invertierbar sind und deshalb antisymmetrische Bilinearformen in ungerader Dimension ausgeartet sind.
Poisson-Klammer
Da die Form
nicht ausgeartet ist, definiert sie mit ihrem Inversen an jedem Punkt eine
bilineare Abbildung von Eins-Formen
und
und die Poisson-Klammer der Funktionen
und
,
Lagrangesche Untermannigfaltigkeit
Eine Lagrangesche Untermannigfaltigkeit einer 2n-dimensionalen symplektischen
Mannigfaltigkeit
ist eine n-dimensionale Untermannigfaltigkeit
mit
,
d.h. die Einschränkung der symplektischen Form auf den Tangentialraum von L verschwindet. (Untermannigfaltigkeiten beliebiger Dimension, die die letztere Bedingung erfüllen, heißen isotrop. Man kann zeigen, dass isotrope Mannigfaltigkeiten höchstens n-dimensional sind. Lagrange-Mannigfaltigkeiten sind also isotrope Untermannigfaltigkeiten maximaler Dimension.)
Die lagrangesche Mannigfaltigkeit spielt eine wichtige Rolle in der Physik.
Eine Lagrangesche Mannigfaltigkeit mit reellem Keim lässt sich wie folgt
definieren: Man betrachte eine Lagrangesche Mannigfaltigkeit
mit Dimension k < n eingebettet in einen 2n dimensionalen reellen Phasenraum.
Zu jedem Punkt
auf
lässt sich eine (n-k) dimensionale Hyperebene
im Phasenraum finden (vgl. Konzept Cotangentialraum in der
Differentialgeometrie), man nennt sie Keim am Punkt
.
Weiter wird der Tangentialraum an
mit
bezeichnet. Man nennt ein Paar
nun eine lagrangesche Mannigfaltigkeit mit reellem Keim, wenn: (i)
die Dimension n hat. (ii) das symplektische Produkt zweier Vektoren
verschwindet d.h.
[2]
Hamilton’scher Fluss
In einem Euklidischen
Raum ist der Gradient
einer Funktion
dasjenige Vektorfeld
,
dessen Skalarprodukt
für jedes gegebene Vektorfeld
mit der Anwendung von
auf
übereinstimmt,
In einer Symplektischen Mannigfaltigkeit gehört zu gegebenem f und
einer gegebenen beliebigen Funktion
das Vektorfeld
das Funktionen
längs einer Integralkurve der zu
(interpretiert als sog. Hamiltonfunktion
des Systems) gehörigen hamiltonschen
Gleichungen ableitet. Die Rolle von w wird hier also durch h
übernommen, und es wird für h die Symplektische Geometrie bzw. die
Hamilton’sche Dynamik benutzt.
Das Vektorfeld
ist also der Symplektische Gradient von
oder der infinitesimale Hamilton’sche Fluss von
.
Satz von Darboux
Der Satz von Darboux benannt nach dem Mathematiker Jean Gaston Darboux besagt:[3]
In der Umgebung
jedes Punktes einer symplektischen Mannigfaltigkeit gibt es lokale
Koordinatenpaare
mit
Die so definierten Koordinatenpaare werden als kanonisch konjugiert bezeichnet.
Das Darboux-Theorem hat vielfache Anwendungsmöglichkeiten: Zum Beispiel lässt sich damit zeigen, dass es für zwei aufeinander liegende Pfannkuchen stets einen Schnitt gibt, mit dem sich beide Pfannkuchen in zwei gleiche Hälften teilen lassen.
Beziehung zur Hamiltonschen Mechanik
In der Hamiltonschen Mechanik ist der Phasenraum eine symplektische Mannigfaltigkeit mit der geschlossenen, symplektischen Form
Dies ist kein Spezialfall, denn nach dem Satz von Darboux lässt sich
in lokalen Koordinaten immer als
schreiben. Bei symplektischen Mannigfaltigkeiten handelt es sich um die
Phasenräume der Hamiltonschen Mechanik.
Die mathematische Aussage bezüglich
ist äquivalent zu den sogenannten kanonischen
Gleichungen der theoretischen Physik, speziell in der analytischen
Mechanik.
In diesem Zusammenhang ist auch das Liouville-Theorem von Bedeutung, das in der statistischen Physik eine Rolle spielt. Es besagt im Wesentlichen, dass bei Hamilton'schen Flüssen das Phasenraumvolumen konstant bleibt, was für die Bestimmung der Wahrscheinlichkeitsmaße dieser Theorie wichtig ist.
Siehe auch
- Kanonische Transformation, speziell den Absatz „Symplektische Struktur“
Anmerkungen
- ↑ Definition symplektischer Mannigfaltigkeiten nach Vladimir I. Arnold Mathematical Methods of Classical Mechanics. 2. Auflage, Springer, 1989, ISBN 0-387-96890-3, S. 201 (Kapitel 8 – Symplectic Manifolds). Ebenso in Ana Cannas da Silva: Lectures on Symplectic Geometry. Springer, Berlin 2001, ISBN 3-540-42195-5. Manchmal wird auch auf die Forderung der Geschlossenheit verzichtet und nur die Existenz einer symplektischen Struktur gefordert.
- ↑ Definition findet man im Buch von V. Maslov: The complex WKB method for non-linear equations 1. Kapitel 2.
- ↑ Ein Beweis findet sich in V. I. Arnold: Mathematical Methods of Classical Mechanics. 2. Auflage. Springer, 1989, ISBN 0-387-96890-3, Kapitel 8.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 19.08. 2017