Satz vom primitiven Element
Der Satz vom primitiven Element ist ein mathematischer Satz
aus der Algebra, der hinreichende
Bedingungen dafür angibt, dass eine Körpererweiterung
eine einfache
Körpererweiterung ist. Sind
Körper, dann wird die Körpererweiterung einfach genannt, wenn sie durch Adjunktion
eines einzelnen Elements erzeugt werden kann. Ein solches, im Allgemeinen nicht
eindeutig bestimmtes Element
mit
,
wird primitives Element genannt. Der Satz vom primitiven Element wurde
von Galois
vollständig bewiesen und findet sich in einer Publikation
von Abel
aus dem Jahre 1829.
Satz
Es gibt zwei Sätze, die als Satz vom primitiven Element bezeichnet werden, wobei der zweite Satz eine Folgerung aus dem ersten ist.
- Eine Körpererweiterung
ist einfach, wenn
von der Form
mit einem über
algebraischen Element
und über
separablen Elementen
ist.
- Jede endliche separable Körpererweiterung ist einfach.
Bedeutung
Insbesondere sind endliche Galois-Erweiterungen
von dieser Form und daher einfach. Ist
eine solche Erweiterung, so ist ein Element der Galoisgruppe,
das heißt ein
-Automorphismus
von
,
bereits eindeutig durch den Wert
bestimmt. Mit Hilfe eines primitiven Elementes kann auch die Galoisgruppe eines
Polynoms bzw. einer Körpererweiterung bestimmt werden. Daher resultiert die
Bedeutung dieses Satzes in der Galoistheorie.
Beispiele
ist eine Körpererweiterung über
. Ein mögliches primitives Element
ist
-
,
- denn mit
,
und
- ergibt sich, dass t Nullstelle des Polynoms
und damit algebraisch über
ist.
- Außerdem erhält man die Gleichungen:
und
.
- Damit lassen sich
und
durch Polynome mit der Variablen t ersetzen:
und
.
- Also ist
- und {1, t, t2, t3} eine Basis von
als Vektorraum über
. Eine andere mögliche Basis ist {
}, d.h.
.
- Es handelt sich also um eine algebraische Körpererweiterung vom Grad vier.
- Das Polynom
hat die Nullstellen
und hat somit
als Zerfällungskörper. Wie oben gezeigt, ist
ein primitives Element und die vier Nullstellen können somit als Polynome p1, p2, p3, p4 mit der Variablen t1 dargestellt werden:
-
,
,
,
,
- Das primitive Element t1 ist – wie oben berechnet – Nullstelle
des über
irreduziblen Polynoms
. Die anderen Nullstellen dieses Polynoms erhält man durch zweimaliges Wurzelziehen – zusammen mit der Beziehung
:
-
.
- Ersetzt man nun in den Polynomen p1, ... p4 die Variable t1 durch t2, t3 oder t4, so ergeben sich wiederum die Nullstellen x1, x2, x3, x4 des Ausgangspolynoms, allerdings in einer anderen Reihenfolge. Diese Permutationen der Nullstellen entsprechen jeweils einer Operation eines Elementes der Galoisgruppe auf diesen Nullstellen.
- Einsetzen von t1 liefert die Identität, die übrigen Beziehungen ergeben sich durch Nachrechnen:
-
,
,
,
.
- {
} ist die Galoisgruppe als Permutationsgruppe der Nullstellen, als Gruppe der Körperautomorphismen ergibt sie sich wie folgt:
- Unter
werden
und
vertauscht werden, entsprechendes gilt bei
für
und
. Unter
ändert sich bei beiden Wurzeln das Vorzeichen. Die Elemente der Galoisgruppe als Körperautomorphismen sind somit:
-
,
,
,
.
- Man sieht, dass unter
neben dem Grundkörper
der Körper
elementweise fest bleibt. Bei
und
sind die Fixkörper
bzw.
.
- Weil das Ausgangspolynom
nicht irreduzibel über
ist, operiert die Galoisgruppe nicht transitiv auf der Menge der Nullstellen dieses Polynoms: es gibt zum Beispiel kein Element der Galoisgruppe, das die Nullstelle
auf die Nullstelle
abbildet.
- Die algebraisch
Konjugierten des primitiven Elementes
, also die Nullstellen
-
,
und
,
- sind ebenfalls primitive Elemente, d.h. es gilt:
.
Literatur
- Helmut Koch: Einführung in die klassische Mathematik I, Springer-Verlag, ISBN 3-540-16665-3.
- Christian Karpfinger, Kurt Meyberg: Algebra. Gruppen – Ringe – Körper. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-8274-2018-3.
- Kurt Meyberg, Algebra II, Carl Hanser Verlag (1976), ISBN 3-446-12172-2.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 21.08. 2021