Integralkriterium
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Das Integralkriterium (auch Integralvergleichskriterium) ist ein mathematisches Konvergenzkriterium für unendliche Reihen. Die Reihe wird dabei als Fläche unter einer Treppenfunktion betrachtet, die durch den Flächeninhalt unter einer Kurve abgeschätzt wird. Mit einer Abschätzung nach oben lässt sich die Konvergenz nachweisen, nach unten die Divergenz. Der Flächeninhalt unter der Kurve berechnet sich durch das Integral.
Formulierung
Es sei
eine monoton
fallende Funktion, die auf dem Intervall
mit einer ganzen Zahl
definiert ist und nur nichtnegative Werte annimmt. Dann konvergiert die Reihe
genau dann, wenn das Integral
existiert, das heißt, wenn es einen endlichen Wert annimmt. Anstatt von der
Existenz des Integrals spricht man manchmal auch – gleichbedeutend – von der
Konvergenz des Integrals.
Genauer: Sei
monoton fallend, dann gilt
ist auf
integrierbar
ist konvergent.
Falls eines von beiden, also Existenz des Integrals beziehungsweise Konvergenz der Reihe, und damit auch das andere, zutrifft, gelten die Abschätzungen
.
Beispiele
Um zu prüfen, ob die Reihe
konvergiert, stellt man fest, dass sie mit der Funktion
als
geschrieben werden kann. Die Funktion
ist im Intervall
monoton fallend und es gilt:
Das Integral ist also endlich und nach dem Integralkriterium ist die Reihe somit konvergent.
Ähnlich kann die harmonische
Reihe
mit
als
umgeschrieben werden. Die Funktion
ist im Intervall
monoton fallend, das heißt, dass das Integralkriterium angewendet werden kann:
Das Integral ist divergent und somit die harmonische Reihe auch.
Veranschaulichung
Das Integralkriterium ist schon durch die Anschauung zugänglich: Gerade die letzte Zeile ähnelt einer populären Begründung des Begriffs des Riemann-Integrals mithilfe von Ober- und Untersummen.
Weil nach Voraussetzung ja
monoton fällt, ist auf jedem Intervall
(mit einer ganzen Zahl
)
der größte und
der kleinste Funktionswert auf diesem Intervall. Weil das Intervall die Breite 1
hat, ist der Flächeninhalt unter
immer kleiner oder gleich
und größer oder gleich
.
Wenn nun das Integral oder die Reihe konvergiert, so muss auch der jeweils
andere Ausdruck konvergieren.
Oder: Die Reihe
konvergiert, nähert sich also ab
unendlich nahe an den Grenzwert an. Für das Integral bedeutet dies, dass die
Fläche nicht mehr größer wird, sondern sich ebenfalls an einen (Flächen)-Wert
annähert. Hätte die Fläche gegen unendlich keinen Grenzwert, könnte nie ein Wert
für das Integral
fest gemacht werden und somit das Integral keinen endlichen Wert annehmen, was
im Widerspruch zur obigen Definition steht.
Literatur
- Konrad Königsberger: Analysis 1. Springer, Berlin 2004, ISBN 3-540-41282-4
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 18.05. 2021