Konforme Abbildung
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Eine konforme Abbildung ist eine winkeltreue Abbildung.
Das bedeutet u. a., dass aus einem rechtwinkligen Koordinatennetz durch eine konforme Abbildung zwar ein i.Allg. krummliniges Koordinatennetz entsteht, dass aber „im Kleinen“ die rechtwinklige Netzstruktur vollständig erhalten bleibt, also insbesondere die Zwischenwinkel und die Längenverhältnisse je zweier beliebiger Vektoren.
Solche Abbildungen finden vielfache Anwendungen in der theoretischen Physik, u.a. in der Theorie komplizierter elektrostatischer Potentiale und der zugehörigen elektrostatischen Felder sowie in der Strömungsmechanik.
Definition
Eine lineare
Abbildung
heißt konform, wenn
für alle
gilt. Hierbei ist
das Standardskalarprodukt
und
die euklidische
Norm.
Des Weiteren heißt eine differenzierbare Abbildung
konform in
,
wenn ihr Differential
in
konform ist.
Eigenschaften
- Falls
eine offene Teilmenge der komplexen Ebene
ist, dann ist die Funktion
konform genau dann, wenn sie holomorph oder anti-holomorph ist und ihre Ableitung ungleich null auf ganz
ist. Die konformen Abbildungen bilden also die geometrische Veranschaulichung der komplex differenzierbaren (analytischen oder holomorphen) Funktionen einer komplexen Variablen (vgl. die Veranschaulichung reeller Funktionen durch ebene Kurven). Real- bzw. Imaginärteil einer solchen Funktion bzw. ihrer lokal rechtwinkligen Koordinatennetze können z.B. als Potentiale eines elektrostatischen Feldes oder eines Strömungsfeldes interpretiert werden. Auch meromorphe Funktionen sind nützlich, weil deren Polstellen die Dipole, Quadrupole usw., allgemein: die Multipole dieser Potentiale erzeugen.
- Die konformen Abbildungen des Minkowski-Raums auf sich selbst umfassen die Lorentz-Transformationen und Translationen, die die Metrik unverändert lassen, die Dilatationen, die die Metrik um eine glatte Funktion skalieren sowie die speziellen konformen Transformationen, zu denen die Inversion an einer Kugeloberfläche gehört.
- Wie die Lorentz-Transformationen und die Poincaré-Transformationen bilden auch die konformen Transformationen eine Lie-Gruppe, die konforme Gruppe.
Physikalische Anwendungen
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Die nebenstehende Abbildung 2 zeigt an einem Beispiel aus dem „Flugzeugbau“, dass durch die konforme Abbildung komplizierte Kurven auf wesentlich einfachere abgebildet werden können. Das abgebildete Beispiel einer konformen Abbildung ist die Joukowski-Funktion (auch „Schukowski-Funktion“ geschrieben). Bei dieser Abbildung wird das Joukowski-Profil auf einen Kreis abgebildet. Die Geschwindigkeit, mit der etwa Luftteilchen das (zweidimensionale) Tragflügel-Profil umströmen, wird einfacher berechenbar, wenn es um die Umströmung eines Kreiszylinders geht. Damit wird plausibel, dass die konformen Abbildungen in folgenden Gebieten eine wichtige Bedeutung haben, solange man Phänomene in der zweidimensionalen Ebene untersucht:
- Strömungslehre (Aerodynamik, Hydrodynamik)
- Elektrostatik (vgl. das elektrostatische Feld in Analogie zu Strömungsfeldern)
- Wärmeleitung
Invarianz unter konformen Abbildungen
Im Falle des -dimensionalen
Minkowski-Raumes gilt: Die Zusammenhangskomponente der 1 von der Gruppe der
orientierungstreuen konformen Transformationen ist isomorph zur Gruppe
,
wenn
gilt. Für
ist diese Gruppe unendlichdimensional. Sie ist isomorph zu
,
wobei
die unendlichdimensionale Gruppe der orientierungstreuen Diffeomorphismen von
auf sich bezeichnet.
Im Falle des -dimensionalen
euklidischen Raumes ist die entsprechende Gruppe isomorph zu
,
.
Im Falle
ist sie daher auch isomorph zur Gruppe der Möbiustransformationen.
Physikalische Systeme, die unveränderlich unter konformen Abbildungen sind, haben eine große Bedeutung in der Festkörperphysik, in der Stringtheorie und in der konformen Feldtheorie.
Konforme Abbildungen auf (semi-) riemannschen Mannigfaltigkeiten
Seien
und
zwei riemannsche
Mannigfaltigkeiten bzw. semi-riemannsche
Mannigfaltigkeiten.
und
bezeichnen die metrischen
Tensoren. Zwei Metriken
und
auf einer Mannigfaltigkeit
heißen in der riemannschen
Geometrie „konform äquivalent“, falls
mit einer auf
definierten positiven Funktion
,
die konformer Faktor genannt wird. Die Klasse konform äquivalenter
Metriken auf
heißt konforme Struktur.
Ein Diffeomorphismus
heißt konform, falls
für alle Punkte
und Vektoren
des Tangentialraumes
gilt. Man drückt das auch so aus, dass die Pullback-Metrik
auf
konform äquivalent zur Metrik von
ist. Die Potenz
soll andeuten, dass der Faktor stets größer als 0 ist, dass es sich also um
einen konformen Faktor handelt. Ein Beispiel einer konformen Abbildung ist die
stereographische Projektion der Kugeloberfläche auf die projektive Ebene (Ebene
ergänzt durch einen Punkt im Unendlichen).
Die konformen Abbildungen einer Mannigfaltigkeit in sich selbst werden von konformen Killing-Vektorfeldern erzeugt.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 13.01. 2022