Prinzip der guten Mengen
Das Prinzip der guten Mengen ist eine vor allem in der Maßtheorie häufig angewendete Beweismethode. Sie kann verwendet werden, um zu beweisen, dass eine Aussage für alle Elemente einer σ-Algebra oder eines anderen Mengensystems zutrifft. Da im Allgemeinen die Elemente einer σ-Algebra, wie beispielsweise bei der borelschen σ-Algebra, nicht explizit angegeben werden können, sondern nur ein Erzeuger bekannt ist, muss für solche Beweise häufig indirekt vorgegangen werden.
Das Prinzip
Sei
eine σ-Algebra über einer Grundmenge
.
Um zu zeigen, dass alle Elemente von
eine gegebene Eigenschaft besitzen, wird die Menge
aller Teilmengen von
(oder aller Elemente von
)
betrachtet, für die diese Eigenschaft zutrifft, also alle „guten Mengen“. Gilt
nun
enthält einen Erzeuger von
und
ist eine σ-Algebra,
so folgt, dass die Eigenschaft für alle
gilt. Mit anderen Worten: Es ist nur zu zeigen, dass
von gewissen „guten Mengen“ erzeugt wird und dass alle „guten Mengen“ eine
σ-Algebra bilden.
Begründung: Wird
erzeugt von einem Mengensystem
,
so folgt wegen der Monotonie und Idempotenz des σ-Operators
aus
:
Falls es schwierig ist, für den Punkt 2 zu zeigen, dass
abgeschlossen gegenüber abzählbaren Vereinigungen beliebiger Elemente ist, kann
das Prinzip aufgrund des Dynkinschen
π-λ-Satzes mit einem Dynkin-System-Argument
kombiniert werden. Ist der Erzeuger
durchschnittsstabil,
so genügt es zu zeigen, dass
ein Dynkin-System ist, denn in diesem Fall gilt
,
wobei
das von
erzeugte Dynkin-System bezeichnet.
Beispiel
Ist
eine Abbildung und
ein Mengensystem aus Teilmengen von
,
dann gilt
d.h., das Urbild
der von
erzeugten σ-Algebra ist die vom Urbild von
erzeugte σ-Algebra.
Um die Inklusion
zu beweisen, kann das Prinzip der guten Mengen angewendet werden, denn dazu ist
zu zeigen, dass alle
die Eigenschaft
besitzen. Dazu wird also
als Menge der guten Mengen gewählt. Die beiden obigen Bedingungen sind damit erfüllt:
- Für alle
gilt
, also
.
ist eine σ-Algebra: Das prüft man direkt anhand der Definition mit Hilfe der Rechenregeln für Urbilder nach.
Damit ist die Inklusion gezeigt.
Die umgekehrte Inklusion folgt hingegen mit einem einfachen Monotonieargument. Da Urbilder von σ-Algebren wieder σ-Algebren sind, gilt
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 03.04. 2021