Lokaler Körper
Ein lokaler Körper ist ein Körper, der ein vollständiger metrischer Raum ist. Lokale Körper treten in der algebraischen Zahlentheorie als Vervollständigungen von globalen Körpern auf.
Zu den lokalen Körpern gehören insbesondere die reellen und komplexen Zahlen (archimedische lokale Körper der Charakteristik 0) und die p-adischen Zahlen sowie deren endliche Erweiterungen (nicht-archimedische lokale Körper der Charakteristik 0).
Hauptteil
Je nachdem ob die Metrik archimedisch oder nicht-archimedisch ist (siehe Betragsfunktion), spricht man von archimedischen oder nicht-archimedischen lokalen Körpern.
Nach dem Satz
von Ostrowski sind die einzigen bezüglich einer archimedischen Metrik
vollständigen Körper die Körper der reellen Zahlen
und der komplexen Zahlen
mit der üblichen Betragsfunktion. Diese bilden die archimedischen lokalen
Körper.
Ein nicht-archimedischer lokaler Körper ist ein Körper, der vollständig
bezüglich einer nicht-trivialen diskreten Bewertung
ist und der einen endlichen Restklassenkörper
besitzt. Eine äquivalente Definition ist, dass der Körper als topologischer Raum
lokalkompakt
ist. Häufig wird in der Literatur auch nur dieser Fall betrachtet, da lokale
Körper meist im Rahmen der Zahlentheorie als Vervollständigungen globaler Körper
betrachtet werden, das heißt als endliche Erweiterungen der rationalen Zahlen
oder des Körpers der Laurent-Reihen
bzw. rationalen
Funktionen über endlichen Körpern
,
ersterer Fall ist der Zahlkörper-Fall, letzterer ist der Fall eines
Funktionenkörpers.
Ein lokaler Körper der Charakteristik
ist für archimedische Körper nach obigem Satz von Ostrowski isomorph zu
oder
.
Im nicht-archimedischen Fall sind die lokalen Körper der Charakteristik 0 die p-adischen Zahlen
(p prim) oder endliche algebraische Erweiterungen
der p-adischen Zahlen.
Für endliche Charakteristik
ist die Betragsfunktion (Metrik) notwendig nicht-archimedisch, die zugehörigen
lokalen Körper also alle nicht-archimedisch. Die lokalen Körper der
Charakteristik
sind isomorph zum Körper der formalen Laurentreihen
über einem endlichen
Körper der Charakteristik
(
für ein
)
und deren algebraischen Erweiterungen.
In der Zahlentheorie ist man an Lösungen von Gleichungen über dem Körper der
rationalen Zahlen
interessiert, einem globalen Körper, der die Charakteristik
hat. Nach dem Satz
von Ostrowski gibt es hier zwei Arten von Betragsfunktionen, einmal
archimedisch (bezüglich der sich die rationalen Zahlen zu den reellen Zahlen
vervollständigen lassen) und eine Familie nicht-archimedischer Bewertungen
(bezüglich der sie sich zu den p-adischen Zahlen vervollständigen lassen). Die
zugehörigen lokalen Körper sind die reellen und p-adischen Zahlen. Nach dem Hasse-Prinzip
(Lokal-Global-Prinzip
nach Helmut Hasse) kann man
manchmal von der Lösbarkeit über lokalen Körpern auf die Lösbarkeit im globalen
Körper der rationalen Zahlen schließen, etwa für nicht-ausgeartete quadratische
Formen. Mit Hilfe lokaler Körper wird die lokale Klassenkörpertheorie
formuliert, ebenfalls begründet durch Hasse, und von Claude Chevalley zum
Aufbau der globalen Klassenkörpertheorie ohne Rückgriff auf Methoden der
analytischen Zahlentheorie benutzt. Die Darstellung der lokalen
Klassenkörpertheorie mit Hilfe der Gruppenkohomologie
ist seit dem Seminar von Emil Artin und John T. Tate ein Standardzugang und zum Beispiel in dem Buch von Serre Local
Fields dargestellt.
Wie bei den Begriffen "lokaler Ring" und "Lokalisierung" in der Algebra hat die Bezeichnung lokal ihren Ursprung in der Analogie des Zahlkörper-Falls mit dem Fall eines Funktionenkörpers über einer komplexen algebraischen Kurve (riemannsche Fläche), wo „lokal“ das Verhalten der Funktionen in der Umgebung eines Punktes beschreibt und „global“ die Möglichkeit, die in einer lokalen Umgebung von Punkten etwa über eine Potenzreihe definierte Funktion auf der ganzen riemannschen Fläche zu einer globalen Funktion zusammenzufügen.
Verallgemeinerungen
Es gibt eine Verallgemeinerung der lokalen Körper durch die sogenannten
höheren lokalen Körper.
Für
ist ein n-lokaler Körper ein Körper, der vollständig bezüglich einer diskreten
Bewertung ist, und dessen Restklassenkörper ein (n-1)-lokaler Körper ist. Die
1-lokalen Körper sind dabei die gewöhnlichen lokalen Körper. Zum Beispiel sind
oder
2-lokale Körper.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 27.01. 2020