Blockplan
Ein Blockplan (auch Block-Design oder kombinatorisches Design) ist eine endliche Inzidenzstruktur, die insbesondere in der endlichen Geometrie, der Kombinatorik sowie der statistischen Versuchsplanung von Bedeutung ist. Blockpläne sind eine gemeinsame Verallgemeinerung der endlichen affinen Ebenen und der endlichen projektiven Ebenen.
Wichtige Methoden zur Charakterisierung von Blockplänen und zur Konstruktion neuer Blockpläne aus bekannten sind die Auflösung und die taktische Zerlegung eines Blockplanes. Die Auflösung verallgemeinert das Konzept des Parallelismus eines Blockplanes, wie es dieser Artikel beschreibt, und ist selbst ein Spezialfall der taktischen Zerlegung.
Definitionen und Schreibweisen
Sei
eine endliche Inzidenzstruktur, bei der die Elemente von
als Punkte und die Elemente von
als Blöcke bezeichnet werden. Des Weiteren seien
natürliche
Zahlen, dann wird die Inzidenzstruktur
als
-Blockplan
bezeichnet, wenn die folgenden Axiome gelten:[1]
- (B1)
hat genau
Punkte, also
,
- (B2) jeder Block von
inzidiert mit genau
Punkten, also
,
- (B3) für jede Punktmenge
mit
verschiedenen Punkten existieren genau
verschiedene Blöcke, die jeweils mit allen Punkten von
inzidieren, also
und
- (B4)
, das heißt
ist eine nichtausgeartete oder echte Inzidenzstruktur.
Als alternative Bezeichnung für einen -Blockplan
wird auch
verwendet. Im Falle von
schreibt man auch einfach
und spricht von einem Steinersystem (nach Jakob Steiner). Ein
-Blockplan
(
)
wird auch als Steiner-Tripel-System bezeichnet.
Teilweise wird ein Blockdesign auch als
geschrieben, der zusätzliche Parameter
wird weiter unten erläutert.
Einen -Blockplan
bezeichnet man oft kurz auch
-Blockplan
und einen
-Blockplan
einfach als Blockplan, da
der am meisten verwendete Fall ist.
Die konstante Anzahl aller Blöcke
von
durch einen Punkt
von
wird mit
bezeichnet und die Anzahl aller Blöcke von
mit
.
In Anlehnung an bestimmte geometrische Modelle für einen Blockplan werden
seine Blöcke gelegentlich auch als Geraden, Kreise, Ebenen
oder Ähnliches bezeichnet. Wenn ein Punkt
mit einem Block
inzidiert, also
,
so sind auch die folgen Sprechweisen üblich:
liegt auf
oder
geht durch
.
Inzidiert ein Punkt mit mehreren Blöcken, so sagt man auch, dass die Blöcke
sich in
schneiden.
Blockpläne, bei denen ein Block mit allen Punkten inzidiert, oder bei denen
die -elementigen
Teilmengen der Punktmenge genau den Blöcken entsprechen, werden als
triviale Blockpläne bezeichnet.
Ein Block
muss formal von der mit ihm inzidierenden Punktmenge
unterschieden werden, allerdings ist es in der Praxis meist möglich, einen Block
mit seiner inzidierenden Punktmenge zu identifizieren und die Inzidenzrelation
als mengentheoretisches Enthaltensein zu interpretieren. Solche Blockpläne
werden auch als einfach bezeichnet (vgl. die Beispiele im
Artikel „Inzidenzstruktur“).
Eigenschaften
Für die Anzahl der Blöcke eines -Blockplans
gilt:
.
Mit
für
bezeichnet man die Anzahl der Blöcke, die mit allen Punkten einer beliebigen
Punktmenge
mit
Punkten inzidieren, also
,
für diese gilt:
.
Ein Blockplan mit gegebenen Parametern kann nur dann existieren, wenn diese
ganze Zahlen sind. Dies nennt man die Teilbarkeitsbedingungen für die
Existenz von Blockplänen.
Für -Blockpläne
ergibt sich aus den beiden Formeln unter Berücksichtigung von
:
.
Außerdem gilt für die -Blockpläne
die Fisher-Ungleichung:
.
Neben den unten bei den Beispielen erwähnten, endlichen, projektiven und
affinen Räumen stehen Blockpläne in Wechselbeziehungen zu vielen anderen
Strukturen der Kombinatorik. So ist zum Beispiel die Existenz eines -Blockplans
mit
äquivalent zur Existenz einer Hadamard-Matrix
der Ordnung
.
Aus diesem Grund werden solche Blockpläne auch als Hadamard-Blockpläne
bezeichnet. Den Zusammenhang zwischen Codes
und Blockplänen beschreibt der Satz
von Assmus-Mattson.
Eine zentrale Frage in der Theorie der Blockpläne ist, für welche Werte der
Parameter
überhaupt ein Blockplan existiert. Ein bahnbrechendes Ergebnis von Peter Keevash (2014)
zeigt, dass die Teilbarkeitsbedingungen für die Existenz hinreichend sind, wenn
die Zahl
der Punkte genügend groß ist.
Außerdem gibt es eine Reihe von notwendigen Kriterien für die Existenz bestimmter Blockpläne, mit denen man viele Parameterkombinationen ausschließen kann. Solche Kriterien liefern zum Beispiel die verallgemeinerte Fisher-Ungleichung (auch Satz von Ray-Chaudhuri-Wilson genannt) und der Satz von Bruck-Ryser-Chowla.
Symmetrische Blockpläne
Ein Blockplan, der genauso viele Blöcke wie Punkte besitzt ,
wird als symmetrisch oder projektiv bezeichnet. Symmetrische
Blockpläne können unter den 2-Blockplänen durch verschiedene, gleichwertige
Aussagen charakterisiert werden: Sei
ein
-Blockplan,
sei
die Gesamtzahl seiner Blöcke und sei
eine Inzidenzmatrix
dieses Blockplanes. Dann sind die folgenden Aussagen gleichwertig:
- Die Anzahl der Punkte ist gleich der Anzahl der Blöcke
und damit gilt auch
, das heißt
ist symmetrisch. Es gilt
- Die Zahl der Blöcke, mit denen ein beliebiger Punkt inzidiert, ist gleich
der Zahl der Punkte, mit denen ein beliebiger Block inzidiert
.
hierbei ist
die
-Einheitsmatrix,
die
-Einsmatrix
hierbei ist
die
-Einheitsmatrix,
die
-Einsmatrix
- Je zwei verschiedene Blöcke schneiden sich in genau
Punkten.
- Je zwei verschiedene Blöcke haben eine konstante, positive Anzahl von
Punkten gemeinsam, das heißt,
erfüllt die Regularitätsbedingung
. Siehe Regularitätsbedingungen und Typen von endlichen Inzidenzstrukturen.
hat als Inzidenzstruktur den Typ
, das heißt,
erfüllt die Regularitätsbedingungen
.
Das Intervall,
in dem die Anzahl
der Punkte (bzw. Blöcke) in Bezug auf die Ordnung
eines symmetrischen
-Blockplans
variiert, ergibt sich als
,
sofern ein nicht trivialer Blockplan mit
vorliegt. Der untere Extremalfall
ist gegeben für Hadamard-Blockpläne
und der obere Extremalfall
für die endlichen
projektiven Ebenen.
Parallelismen und affine Blockpläne
Ein Parallelismus eines Blockplans
ist eine Äquivalenzrelation
auf der Menge der Blöcke, für die das euklidische Parallelenpostulat
gilt:
- Zu jedem Block
und jedem Punkt
gibt es genau einen Block
inzident mit
der zu
parallel ist.
Hierbei werden Blöcke als parallel (Schreibweise )
bezeichnet, wenn sie in derselben Äquivalenzklasse liegen. Die Äquivalenzklassen
selbst werden auch als Parallelenklassen oder Parallelenscharen
bezeichnet. Für zwei parallele Blöcke
gilt, dass sie (genauer: die mit ihnen inzidierenden Punktmengen) entweder
identisch oder disjunkt sind:
.
Ein Parallelismus eines Blockplans, bei dem zwei beliebige, nicht parallele Blöcke stets dieselbe Anzahl von Punkten gemeinsam haben, heißt affin und der zugehörige Blockplan wird als affiner Blockplan bezeichnet. Während im Allgemeinen ein Blockplan mehrere Parallelismen zulassen kann, ist in einem affinen Blockplan der Parallelismus eindeutig bestimmt und es gilt auch die Umkehrung der obigen Beziehung:
.
Für Blockpläne mit Parallelismen gilt der Satz von Bose, der für diesen Fall eine Verschärfung der Fisher-Ungleichung darstellt.
Beispiele
Die Wittschen Blockpläne (im engeren Sinn) sind einfache 5-Blockpläne, ihre Ableitungen, die oft auch als Wittsche Blockpläne bezeichnet werden, liefern Beispiele für nichttriviale einfache 4- und 3-Blockpläne.
Affine Geometrien als Blockpläne
Der affine Raum der Dimension
über dem endlichen
Körper mit
Elementen
wird als
notiert.
Er wird zu einem Blockplan
,
indem man die Punktmenge des affinen Raumes als Menge der Punkte und die
-dimensionalen
affinen Teilräume
als Blöcke verwendet. Genauer handelt es sich bei
um einen
-Blockplan.
Der gewöhnliche Parallelismus der affinen Geometrie ist ein Parallelismus
für den Blockplan und der Blockplan wird damit genau dann zu einem
affinen Blockplan, wenn
gilt, also die Blöcke Hyperebenen
des Raumes sind. Die Parameter des Blockplanes
lauten:
.
Hier steht
für den Gaußschen
Binomialkoeffizienten,
der durch die Formel
für
berechnet werden kann. Die Räume
sind für
sogar 3-Blockpläne mit
.
Speziell ist
mit seinem geometrischen Parallelismus ein affiner
-Blockplan.
Projektive Geometrien als Blockpläne
Der projektive
Raum der Dimension
über dem endlichen Körper
wird als
notiert.[2]
Der Blockplan
hat als Punktmenge die Menge der projektiven Punkte und als Blockmenge die Menge
der
-dimensionalen
projektiven Teilräume
des
.
Dies ist ein
-Blockplan
mit den Parametern
.
Im Falle
also falls die Blöcke die Hyperebenen des Raumes sind, ist der Blockplan
symmetrisch.
Anschauliche Beispiele
Als Spezialfälle der obengenannten klassischen geometrischen Räume kann man
eine endliche projektive
Ebene der Ordnung
als einen
-Blockplan
und eine endliche affine
Ebene der Ordnung
als einen
-Blockplan
auffassen. Hierbei entsprechen die Punkte der Ebene den Punkten des Blockplans
und die Geraden der Ebene den Blöcken des Blockplans. Allerdings wird die
Existenz der entsprechenden Ebene der Ordnung
vorausgesetzt und diese ist nicht für alle
gegeben.
Kleine Ebenen, siehe auch die Abbildungen am Ende des Abschnitts:
- Die projektive Ebene der Ordnung 2,
(die Fano-Ebene) ist ein symmetrischer
-Blockplan zugleich ist sie „der“ kleinste Hadamard-Blockplan.
- Die affinen Ebenen der Ordnung 2 und 3
und
bilden mit ihrer gewöhnlichen und einzig möglichen Parallelität einen affinen
-Blockplan bzw.
-Blockplan.
|
|
|
7 Pkte, 7 Blöcke mit je 3 Pkten | 4 Pkte, 6 Blöcke mit je 2 Pkten | 9 Pkte, 12 Blöcke mit je 3 Pkten |
Weitere (Gegen)beispiele einfacher Blockpläne
Nicht existierende einfache 2-Blockpläne
Für die in der folgenden Liste erscheinenden Parametertripel
(im Bereich
)
existieren keine einfachen
-Blockpläne,
obwohl die üblichen Parameterbedingungen
erfüllt sind:
Existierende einfache t-Blockpläne mit t ≥ 4
Konkrete Beispiele für einfache -Blockpläne
mit
waren lange nur vereinzelt bekannt.
So etwa:
und
und
und
und
und
und
Bis in die 1980er Jahre war sogar unklar, ob (etwa) einfache -Blockpläne
überhaupt vorkommen. Dann wurden nach und nach mehrere Beispiele gefunden:
und
und
und
und
und
In den letzten Jahren ist mit Hilfe weiter verfeinerter gruppentheoretischer, geometrischer
und computergestützter Methoden
schließlich sogar eine Anzahl einfacher Blockpläne mit
gefunden worden; u.a.:
und
und
Anwendung in der statistischen Versuchsplanung
Angenommen, Hautkrebsforscher möchten drei verschiedene Sonnencremes testen. Dafür tragen sie bei jedem Probanden zwei verschiedene Sonnencremes auf die Oberseiten der Hände auf. Nach einer Bestrahlung durch UV-Licht notieren sie die aufgetretenen Hautirritationen in Form von Sonnenbrand. Die Anzahl der Behandlungen ist 3 (Sonnencremes) und die Blockgröße ist 2 (Hände je Person).
Ein dazu passender balancierter unvollständiger Versuchsplan kann in R erzeugt werden mit der Funktion design.bib aus dem R-Paket agricolae und wird in der folgenden Tabelle dargestellt:
Plots | Block | Treatment |
---|---|---|
101 | 1 | 3 |
102 | 1 | 1 |
201 | 2 | 1 |
202 | 2 | 2 |
301 | 3 | 3 |
302 | 3 | 2 |
401 | 4 | 3 |
402 | 4 | 1 |
501 | 5 | 2 |
502 | 5 | 3 |
601 | 6 | 1 |
602 | 6 | 2 |
Die Forscher wählen die Parameter
und
für den Blockplan, welche anschließend in die R-Funktion eingegeben werden. Dann
werden die verbliebenen Parameter
und
automatisch ermittelt.
Mit den Bezeichnungen
bis
für die Blöcke erhält man die folgende Inzidenzmatrix:
Behandlung | Block A | Block B | Block C | Block D | Block E | Block F |
---|---|---|---|---|---|---|
1 | 1 | 1 | 0 | 1 | 0 | 1 |
2 | 0 | 1 | 1 | 0 | 1 | 1 |
3 | 1 | 0 | 1 | 1 | 1 | 0 |
Jede Behandlung kommt in vier Blöcken vor, also ist .
Zwei Blöcke (
und
)
enthalten gleichzeitig die Behandlungen
und
und entsprechendes gilt auch für die Behandlungspaare
und
.
Demnach ist
.
Es ist in diesem Beispiel unmöglich einen vollständigen Versuchsplan zu erhalten (alle Behandlungen in jedem Block), weil drei Sonnencremes getestet werden, aber nur zwei Hände je Person zur Verfügung stehen.
Anmerkungen
- ↑ Die in Klammern angegebenen zusätzlichen Parameternamen sind die allgemein für die Parameter einer endlichen Inzidenzstruktur üblichen.
- ↑
Bei symmetrischen Blockplänen verweist der
Parameter
in der Regel auf die Blockplanordnung
. Die hier genannte Dimensionszahl
ist mit der Blockplanordnung im Allgemeinen nicht identisch.
- ↑ Also existiert auch nicht die projektive Ebene der Ordnung 6.
- ↑ Also existiert auch nicht die projektive Ebene der Ordnung 10.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 02.03. 2020