Hauptsatz über endlich erzeugte abelsche Gruppen
Der Hauptsatz über endlich erzeugte abelsche Gruppen ist ein Resultat
aus der Gruppentheorie,
insbesondere der Theorie über endlich
erzeugte abelsche Gruppen. Das sind Gruppen,
die unter ihrer binären
Verknüpfung kommutieren
und in denen jedes Element
als Produkt[1]
von Elementen einer endlichen Erzeugermenge darstellbar ist.
Die Aussage des Satzes ist, dass für alle diese Gruppen eine Zerlegung
oder Dekomposition in endlich viele zyklische
Untergruppen, das sind Gruppen, die von genau einem Element erzeugt werden,
existiert. Die Gruppe
ist das direkte
Produkt
dieser Untergruppen. Weil jede zyklische Gruppe endlicher Ordnung isomorph
zu einer Restklassengruppe
ist und jede zyklische Gruppe unendlicher Ordnung isomorph zur Gruppe der ganzen
Zahlen
,
ist damit jede dieser Gruppen isomorph zu einem Produkt aus einer unendlichen
oder trivialen
Gruppe vom Typ
mit einer endlichen Gruppe, die ein Produkt von Restklassengruppen ist.
Anders formuliert besagt der Hauptsatz, dass eine endlich erzeugte abelsche
Gruppe direktes Produkt einer freien
abelschen Gruppe von endlichem Rang
und einer endlichen abelschen Gruppe ist. Die endliche abelsche Gruppe ist die
Torsionsuntergruppe
von .
Die freie abelsche Gruppe ist im Allgemeinen nicht eindeutig bestimmt, sondern
nur ihr Rang.
Der Satz folgt unmittelbar aus dem Satz über die Klassifizierung endlich erzeugter Moduln über Hauptidealringen, da jede abelsche Gruppe als Modul über dem Hauptidealring der ganzen Zahlen aufgefasst werden kann.
Aussage
Ist
eine endlich erzeugte abelsche Gruppe, so gibt es eindeutig bestimmte
nicht-negative ganze Zahlen
sowie eindeutig bestimmte Primzahlpotenzen
mit
Beweisidee
Die Existenz der Zerlegung zeigt man, indem von einem beliebigen Erzeugendensystem ausgehend durch elementare Umformungen ein geeignetes ggf. anderes Erzeugendensystem konstruiert wird, das die Abspaltung eines Summanden zulässt. Auf diese Weise wird ein Beweis durch vollständige Induktion nach der Anzahl der Erzeuger ermöglicht.
Folgerungen und Beispiele
- Die Eigenschaften frei, projektiv, torsionsfrei, flach sind in endlich erzeugten abelschen Gruppen äquivalent.
Für endliche abelsche Gruppen
Für den Isomorphietyp der zyklischen
Gruppe mit
Elementen,
wird im Folgenden abkürzenden
geschrieben, Gruppen werden, wie in der Theorie der endlichen Gruppen üblich
„multiplikativ“ geschrieben, die direkten Summen aus dem Hauptsatz demgemäß als
direkte
Produkte.
Jede endliche, nicht triviale, abelsche p-Gruppe
(
positive Primzahl) hat als Gruppenordnung eine Potenz
Zu jeder Zahlpartition von
existiert bis auf Isomorphie genau eine abelsche Gruppe mit
Elementen. Die Anzahl der Zahlpartitionen kann mit der Partitionsfunktion
angegeben werden.
- Beispiel
- Zur Gruppenordnung
existieren genau
verschiedene Isomorphietypen von abelschen Gruppen
-
zur Partition 4=1+1+1+1,
zur Partition 4=2+1+1,
zur Partition 4=2+2,
zur Partition 4=3+1 und
zur Partition 4=4.
Zusammen mit der Aussage aus der elementaren Zahlentheorie
genau dann, wenn
teilerfremd
sind, ergibt sich:
- Genau dann, wenn
eine quadratfreie natürliche Zahl ist, das heißt, wenn für keine Primzahl
das Quadrat
ein Teiler von
ist, gibt es bis auf Isomorphie nur eine abelsche Gruppe
mit
Elementen. Die Gruppe ist dann zyklisch und es gilt
- Ist
die Primfaktorzerlegung von
, dann existieren bis auf Isomorphie genau
abelsche Gruppen mit
Elementen. (
usw. ist dabei jeweils die Partitionsfunktion.)
- Jede solche Gruppe besitzt ein Erzeugendensystem aus höchstens
Gruppenelementen.
- Jede endliche abelsche Gruppe
mit der Gruppenordnung
ist isomorph zu einem direkten Produkt
dabei gilt
,
teilt stets
für
und für das Produkt aller dieser Zahlen gilt
.
- Die angegebene Produktdarstellung ist durch die Gruppe
und die Teilbarkeitsforderung eindeutig bestimmt.
- Die maximale Ordnung eines Gruppenelements ist
, für alle Gruppenelemente
gilt
und jede andere natürliche Zahl
, für die
für alle Gruppenelemente
gilt, ist ein Vielfaches von
.
- Die Gruppe besitzt ein Erzeugendensystem aus
Gruppenelementen und jedes Erzeugendensystem enthält mindestens
Elemente. Die angegebene Darstellung ist insoweit eine „minimale Produktdarstellung“ der Gruppe.
- Die angegebene Produktdarstellung ist durch die Gruppe
- Beispiele
- Die abelsche Gruppe
habe den Isomorphietyp
gemäß der Darstellung im Hauptsatz. Mit Hilfe einer sortierten Tabelle der auftretenden Primzahlpotenzordnungen erhält man daraus die genannte „minimale Produktdarstellung“:
Potenzen von 3: | 3 | 9 | 9 | 27 | 27 |
---|---|---|---|---|---|
Potenzen von 2: | 1 | 1 | 2 | 2 | 4 |
Produkte: | 3 | 9 | 18 | 54 | 108 |
Dabei sortiert man nach aufsteigenden Exponenten der Primzahlpotenz und füllt
in Zeilen, die weniger als 5 Potenzen enthalten, von vorn mit 1 auf. Die letzte
Zeile, in der die Produkte der Spalten stehen, enthält dann die aufsteigende
Kette von Teilern. Das ergibt ,
gemäß der genannten Darstellung mit aufsteigenden Teilern, man kommt also für
diese Gruppe mit einem Erzeugendensystem aus fünf Gruppenelementen aus – 5 ist
die maximale Anzahl von p-Gruppen zu einer Primzahl, die in der
Produktdarstellung gemäß dem Hauptsatz vorkommen!
- Für die abelsche Gruppe
Produkte: | 3 | 6 | 6 | 60 |
---|---|---|---|---|
Potenzen von 2: | 1 | 2 | 2 | 4 |
Potenzen von 3: | 3 | 3 | 3 | 3 |
Potenzen von 5: | 1 | 1 | 1 | 5 |
tabelliert man zunächst die aufsteigenden Teiler, faktorisiert sie nach den
auftretenden Primzahlpotenzen und erhält so die Darstellung gemäß Hauptsatz
.
Ein minimales Erzeugendensystem dieser Gruppe enthält vier Elemente.
Anmerkungen
- ↑ In diesem Artikel wird die Operation als multiplikativ aufgefasst. Es handelt sich dabei nur um eine Schreibweise und man könnte auch ohne Weiteres von Vielfachen sprechen. Im Weiteren wird darauf nicht mehr hingewiesen.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 19.10. 2021