Fehlerintegral
Das gaußsche Fehlerintegral (nach Carl
Friedrich Gauß) ist die Verteilungsfunktion
der Standardnormalverteilung.
Es wird häufig mit
bezeichnet und ist das Integral von
bis
über die Dichtefunktion
der Normalverteilung mit
und
.
Da die gesamte Fläche unterhalb der Dichtekurve (auch Gauß-Glocke genannt)
gleich 1 ist, ist der Wert des Fehlerintegrals für
ebenfalls 1 (siehe Abschnitt Normierung).
Definition
Das Fehlerintegral ist durch
definiert.
Lässt man das Integral erst bei
statt bei
beginnen, so spricht man von
:
Zusammenhang mit der gaußschen Fehlerfunktion
Durch die Substitution
in den oben genannten Formeln und durch passende Umformungen lässt sich aus
bzw.
die Fehlerfunktion
bzw.
herleiten.
Anwendung
Das Fehlerintegral
gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass eine standardnormalverteilte
Zufallsvariable einen Wert kleiner oder gleich
annimmt. Umgekehrt kann auch die Wahrscheinlichkeit für einen Wert größer oder
gleich
ermittelt werden, indem man
bildet.
Als elektrotechnisches Beispiel sei ein gaußverteiltes Störrauschen der
Streuung
angenommen, das einem Übertragungskanal überlagert ist. Dieser Kanal arbeite
fehlerfrei, solange die Störungen im Bereich −5 V ... +5 V liegen. Es klärt sich
nun schnell die Frage, wie wahrscheinlich eine fehlerhafte Übertragung ist:
Wahrscheinlichkeit für einen Rauschwert nicht größer als -5 V:
Wahrscheinlichkeit für einen Rauschwert mindestens gleich +5 V:
Die Gesamtwahrscheinlichkeit für einen Übertragungsfehler ergibt sich dann
aus
Normierung
Um die Normiertheit
nachzuweisen, berechnen wir
Auch wenn keine Stammfunktion des Integranden als elementare Funktion ausdrückbar ist, gibt es trotzdem mehr als ein halbes Dutzend Lösungswege, seinen Wert zu bestimmen, angefangen bei ersten Näherungen De Moivres aus dem Jahr 1733 über die Arbeiten von Laplace und Poisson aus der Zeit um 1800 bis hin zu einem gänzlich neuen Lösungsansatz S. P. Evesons aus dem Jahr 2005. Einer der entscheidenden Tricks für seine Berechnung (angeblich von Poisson) ist es, auf eine höhere Dimension auszuweichen und das resultierende 2D-Integrationsgebiet anders zu parametrisieren:
Grundlage für die erste Umformung ist die Linearität des Integrals.
Statt längs kartesischer Koordinaten wird über
nun längs Polarkoordinaten
integriert, was der Substitution
und daraus
entspricht, und man erhält schließlich mit dem Transformationssatz
Damit erhalten wir:
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 20.06. 2020