Substitution (Logik)
Als Substitution bezeichnet man in der Logik allgemein die Ersetzung eines Ausdrucks durch einen anderen.
Genauer müssen hier vier verschiedene Ausdrücke voneinander unterschieden werden:
- das Substituendum (lat.: „das zu Ersetzende“): der Ausdruck, der ersetzt wird
- das Substituens (lat.: „das Ersetzende“): der Ausdruck, der ersetzt
- die Substitutions-Basis: der Ausdruck, in dem ersetzt wird
- das Substitutionsresultat: das Ergebnis der Ersetzung.
Beispiel:
Ersetzen wir in dem Ausdruck
(lies: „wenn ,
dann
und
“)
den Ausdruck
durch
(lies: „
oder
“),
so erhalten wir:
.
Dabei ist
Substituendum,
Substituens,
Substitutionsbasis und
Substitutionsresultat.
Man unterscheidet zwischen universeller und einfacher Substitution, außerdem ist in der Quantorenlogik auch der Begriff „frei zur Substitution“ von Bedeutung.
Universelle und einfache Substitution
Bei der universellen Substitution müssen alle Vorkommnisse des Substituendums ersetzt werden, bei der einfachen Substitution brauchen nicht alle Vorkommnisse ersetzt zu werden. Der Unterschied zwischen den beiden Substitutions-Arten wird also erst relevant, wenn es mindestens zwei Vorkommnisse des Substituendums in der Substitutions-Basis gibt. Bei der universellen Substitution kommt das Substituendum im Substitutions-Resultat nicht mehr vor, bei der einfachen Substitution kann es immer noch vorkommen.
Beispiel:
Ersetzen wir in dem Ausdruck
den Ausdruck
durch
,
so erhalten wir bei universeller Substitution:
.
Bei einfacher Substitution könnten wir auch folgendes erhalten:
Universelle und einfache Substitution spielen in unterschiedlichen Gesetzen eine Rolle:
Gesetz der universellen Substitution
Ist eine Aussage
ein Theorem
und ist
das Resultat der universellen Substitution von
durch
,
so ist
wiederum ein Theorem. Wichtig ist hier, dass universell substituiert wird; bei
bloß einfacher Substitution ist nicht gewährleistet, dass
ein Theorem ist. Eine weitere Voraussetzung ist, dass es sich bei dem
Substituendum
um einen „Satzparameter“ handelt, d.h. um eine nicht-komplexe Formel, die
überdies in keinem Axiom vorkommt. Für das
Substituens
gibt es keine entsprechende Beschränkung.
Beispiel:
In dem Theorem
können wir den Ausdruck
universell ersetzen durch
und erhalten wiederum ein Theorem, nämlich:
Bei einfacher Substitution könnten wir auch folgendes erhalten:
was kein Theorem ist. Wenn wir die Forderung fallenließen, dass das
Substituendum ein Satzparameter ist, so könnten wir den ganzen Ausdruck
durch eine Formel, etwa
,
ersetzen und erhielten:
was natürlich ebenfalls kein Theorem ist.
Die Eigenschaft, dass universelle Substitution die Theorem-Eigenschaft erhält, wird in manchen Kalkülen ausgenutzt, indem dies als Schlussregel formuliert wird. Die Regel der universellen Substitution besagt, dass man in jeder Formel, die man mit einem Beweis gewonnen hat, jeden Satzparameter durch eine beliebige Aussage universell ersetzen kann.
Gesetz der Substitution von äquivalenten Aussagen
Sind zwei Aussagen
und
äquivalent
und ist
ein Resultat der einfachen Substitution von
durch
in
,
dann sind
und
ebenfalls äquivalent.
Beispiel:
Zwei äquivalente Aussagen sind beispielsweise:
und
,
Wenn wir nun in der Aussage
durch
einfach substituieren, können wir folgendes erhalten:
und
sind nun wiederum äquivalent.
Der Begriff „zur Substitution frei“
Ein Term
ist zur Substitution durch eine Variable
in einer Formel
frei, wenn
nicht im Skopus
eines Quantors
oder
steht.
Der Hintergrund dieser Definition ist folgender: Man will in der Quantorenlogik davon sprechen, dass eine Aussage eine All- oder Existenz-Generalisierung einer anderen darstellt. Zum Beispiel ist
- Jemand raucht,
formal:
eine Existenz-Generalisierung von
- Frank raucht,
formal:
Es scheint nun so, als erhielte man eine Generalisierung, wenn man die
Vorkommnisse des zu generalisierenden Terms (im Beispiel „Frank“ bzw. )
universell durch
ersetzt und einen Quantor
oder
vor die Aussage setzt. Man erhält eine Generalisierung aber nur unter der
zusätzlichen Voraussetzung, dass der zu generalisierende Term zur Ersetzung
durch
frei ist.
Beispiel
Man betrachte die Aussage
- Wenn jemand Frank liebt, ist Frank glücklich,
formal
Man beachte, dass hier
nicht zur Substitution durch
frei ist, da es im Skopus des Existenzquantors
vorkommt. Daher ist auch folgende Aussage keine All-Generalisierung von
:
denn diese Aussage bedeutet:
- „Wenn jemand sich selbst liebt, sind alle glücklich“
und dies geht vollkommen an der Bedeutung der ursprünglichen Aussage vorbei.
Man kann aber in einem solchen Fall immer eine Generalisierung mit einer
anderen Variable vornehmen. Beispielsweise ist
in
zur Substitution mit
frei, daher kann man folgende All-Generalisierung bilden:
und diese Aussage hat dann die gewünschte Bedeutung, nämlich:
- „Alle, die jemand liebt, sind glücklich“.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 02.11. 2021