Ein Kugeldreieck oder sphärisches Dreieck ist in der sphärischen Geometrie (Kugelgeometrie) ein Teil einer Kugeloberfläche, der von drei Großkreisbögen begrenzt wird. Als Ecken des Kugeldreiecks werden die Punkte bezeichnet, in denen je zwei dieser Großkreise einander schneiden.
Ähnlich wie bei Dreiecken in der ebenen Geometrie spricht man von den Seiten und Winkeln eines Dreiecks. Allerdings versteht man unter der Länge einer Seite nicht die Länge des Kreisbogens, sondern den zugehörigen Mittelpunktswinkel (Zentriwinkel). Im Bogenmaß ist der Wert dieses Winkels genau die Länge des Kreisbogens geteilt durch den Radius der Kugel:
Zur Definition von Längen auf einer Kugel wählt man also die Skala zunächst so, dass
die Kugel eine Einheitskugel
ist, und nimmt dann in dieser Skala erst die Länge des Kreisbogens. Eine Seite,
die also beispielsweise einem Viertel des Kugel- und Großkreisumfangs
entspricht, hat die Länge
(also 90°). Die Innenwinkel
(an den drei Ecken) sind definiert durch die Tangenten
der Seiten – also die Schnittwinkel
zwischen den Ebenen,
in denen die begrenzenden Großkreisbögen liegen.
Meist schränkt man den Begriff des Kugeldreiecks ein auf eulersche
Kugeldreiecke (benannt nach Leonhard
Euler), d.h. auf Kugeldreiecke, in denen alle Winkel kleiner als
bzw. 180° und daraus folgend alle Seiten kleiner als
(auf der Einheitskugel:
)
sind. Ohne diese Einschränkung gäbe es zu drei beliebigen Punkten der
Kugeloberfläche, die nicht alle auf einem gemeinsamen Großkreis liegen, mehrere
Kugeldreiecke. Anschaulich kann man dies mit der Forderung nach dem kürzesten
Bogenstück des Kreises machen, wenn man sich vorstellt, dass zwei Punkte auf
einem Kreis genau dann am weitesten voneinander entfernt sind, wenn sie sich (diametral)
gegenüberliegen, d.h. also 180° voneinander entfernt sind. Kommt man über
die 180° hinaus, ist das Bogenstück zwar in der einen Richtung größer, aber in
der anderen Richtung kleiner als 180°, weshalb letzteres wieder als Seite eines
eulerschen Dreiecks aufgefasst werden kann.
Der Flächeninhalt
eines Kugeldreiecks lässt sich aus den Winkeln
und
des Dreiecks (im Bogenmaß) und dem Kugelradius
berechnen:
Dieser Zusammenhang leitet sich folgendermaßen her:
Die drei durch die Eckpunkte eines Dreiecks ABC bestimmten Großkreise
unterteilen die Kugeloberfläche in acht Dreiecke bzw. vier Gegendreieckspaare.
Das in der Abbildung grün eingefärbte Dreieck bildet mit dem gelb eingefärbten
Dreieck ABC ein Zweieck
mit dem Öffnungswinkel .
Die blau und rot eingefärbten Dreiecke bilden mit dem Gegendreieck A’B’C’
Zweiecke mit den Öffnungswinkeln
bzw.
.
Für die Flächeninhalte der Zweiecke gilt:
(Analog für die Zweiecke mit den Öffnungswinkeln
und
.)
Für die Flächeninhalte
des blauen,
des grünen und
des roten Dreiecks gilt:
Zusammen mit dem gelben Gegendreieck A’B’C’ füllen das blaue, das grüne und das rote Dreieck die Hälfte der Kugeloberfläche aus:
Setzt man
ein, ergibt sich:
Mit den Gleichungen zur Berechnung der Kugeloberfläche und der Kugelzweiecke erhält man:
Für
ergibt sich also:
Auf der Einheitskugel mit dem Radius 1 gilt nach obiger Betrachtung für den Flächeninhalt:
Die Summe
wird als sphärischer Exzess (von lat. excedere „überschreiten“)
bezeichnet, und gibt an, um wie viel die Innenwinkelsumme den Wert
(
)
übersteigt. Im Gegensatz zum euklidischen Dreieck ist die Innenwinkelsumme im
Kugeldreieck nicht konstant
.
Für sie gilt (als Konsequenz der Formel für den Flächeninhalt) im allgemeinen
Kugeldreieck:
im eulerschen Kugeldreieck:
Bei einem kleinen Kugeldreieck („klein“ im Vergleich zur gesamten
Kugeloberfläche) übersteigt die Innenwinkelsumme
nur wenig, da sich das Dreieck dem ebenen Fall des Innen-Winkelsummensatzes annähert
(Verebnung). Der Satz von Legendre
besagt, wie sphärische Dreiecke geringer Größe durch Reduktion der Winkel
verebnet werden können. Überdeckt das Dreieck hingegen fast die halbe
Kugeloberfläche (3
Winkel zu fast
),
so ist die Winkelsumme nur wenig kleiner als
und der Exzess daher beinahe
.
Im allgemeinen sphärischen Dreieck gilt für die Seitensumme:
Im eulerschen Kugeldreieck gilt für die Seitensumme:
Auf der Kugel muss man zwischen den Kongruenzsätzen zu eulerschen und nichteulerschen Dreiecken unterscheiden. Für beide gilt, dass ähnliche Dreiecke bereits kongruent sind (ihr Flächeninhalt ist aufgrund der Proportionalität zum sphärischen Exzess bereits gleich). Der im euklidischen Dreieck gültige Kongruenzsatz sww (Seite-Winkel-Winkel) hat auf der Kugel hingegen keine Gültigkeit (vgl. Abbildung). Die Kongruenzverhältnisse in eulerschen Dreiecken sind der folgenden Tabelle zu entnehmen.
Übersicht zu den Kongruenzsätzen in eulerschen Dreiecken (zur Dualisierung vgl. entsprechenden Abschnitt im Artikel Sphärische Geometrie)
gegebene Dreiecksstücke | dual dazu | Kongruenzklasse eindeutig bestimmt? |
---|---|---|
sss | www | ja |
ssw | sww | nein |
sws | wsw | ja |
In nichteulerschen Dreiecken bestimmen sss und sws noch keine eindeutige Kongruenzklasse (vgl. Abbildungen).